Eine klare Homebase. Ein weiter Horizont.

Für welche Theologie IGW steht und wie wir theologisch arbeiten 

IGW hat eine klare theologische Heimat. Gerade deshalb können wir anderen Traditionen offen und lernbereit begegnen. Unsere Homebase gibt Orientierung, aber sie ist kein Bunker. 


Die Frage, die uns immer wieder gestellt wird
 

Für welche Theologie steht IGW eigentlich? Diese Frage erreicht uns regelmässig. Studieninteressierte möchten wissen, worauf sie sich einlassen. Gemeinden fragen, welche theologische Ausrichtung ihre zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prägen wird. Pastorinnen und Pastoren wollen einschätzen können, ob IGW zu ihrer Kirche und ihrem Verband passt. 

Hinter der Frage steckt oft eine berechtigte Sorge. Ist die Ausbildung klar in der Bibel verankert? Werden vertraute Überzeugungen einfach aufgelöst? Oder ist das theologische Profil so eng, dass andere Sichtweisen gar nicht ernsthaft vorkommen dürfen? 

Unsere Antwort lässt sich mit einem Bild beschreiben, das wir bei IGW gerne verwenden: Wir haben eine klare Homebase und zugleich einen weiten Horizont. Wir sind in der freikirchlichen und evangelikalen Theologie zu Hause. Dort sind wir verwurzelt. Aber unser Blick endet nicht an der Grenze unserer eigenen Tradition. 


Jede Theologie hat eine Homebase
 

Niemand betreibt Theologie von einem völlig neutralen Standpunkt aus. Wir alle bringen eine Biografie, eine kirchliche Prägung, Erfahrungen, Fragen und Vorverständnisse mit. Auch wer sich für besonders unabhängig hält, liest die Bibel aus einer bestimmten Perspektive. 

Darum ist es ehrlicher, die eigene Homebase transparent zu benennen. Sie ist der Ort, von dem wir aufbrechen und an den wir mit neuen Einsichten zurückkehren. Sie gibt uns Sprache, Orientierung und Zugehörigkeit. Gleichzeitig muss sie immer wieder geprüft werden. Denn eine theologische Heimat ist nicht automatisch in jedem Detail richtig. 

Unsere Homebase gibt uns einen Ausgangspunkt und eine Zugehörigkeit. Sie erspart uns aber nicht, unsere Überzeugungen immer wieder an der Bibel und im Gespräch mit anderen zu prüfen. 


Wo wir zu Hause sind
 

Die gemeinsame christliche Mitte finden wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Es verbindet uns mit Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Kirchen und Kulturen. Wir bekennen den dreieinen Gott, unseren Vater und Schöpfer, Jesus Christus als unseren Herrn, seinen Tod und seine Auferstehung, den Heiligen Geist, die Kirche, die Vergebung der Sünden und die Hoffnung auf die Auferstehung. 

Unsere evangelikale Verankerung wird durch die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz genauer beschrieben. Die Dokumente der Lausanner Bewegung helfen uns, Evangelisation, Jüngerschaft, gesellschaftliche Verantwortung und die Sendung der Kirche zusammenzudenken. Darum fassen wir unser Profil so zusammen: Wir stehen für eine Theologie, die biblisch fundiert, gesellschaftlich relevant und missional ausgerichtet ist. 

Diese Verankerung zeigt sich auch in unseren Beziehungen. IGW ist Mitglied der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten (KbA). In diesem Netzwerk sind evangelikal geprägte Hochschulen, Seminare, Bibelschulen und theologische Ausbildungsstätten verbunden. Die Mitgliedschaft bringt unsere Verpflichtung gegenüber der Heiligen Schrift zum Ausdruck und ermöglicht zugleich fachlichen Austausch und gemeinsames Lernen. 


Eine Homebase ist kein Bunker
 

Eine klare Heimat muss nicht zu Scheuklappen führen. Im Gegenteil: Wer weiß, wo er steht, kann anderen Perspektiven begegnen, ohne sich vor ihnen fürchten zu müssen. Deshalb gehören im Studium bewusst Ausflüge in andere theologische Traditionen und Denkwelten dazu. 

Studierende begegnen Positionen, die ihre bisherigen Überzeugungen bestätigen, vertiefen oder infrage stellen. Sie lernen Stimmen aus anderen Konfessionen, Epochen und kulturellen Kontexten kennen. Dabei geht es weder um einen theologischen Ausverkauf noch um eine Pflichtübung, nach der alles beim Alten bleiben muss. Wer sich ernsthaft auf andere einlässt, kann etwas lernen und sich verändern. 

Wir wollen keine Grabenkämpfe führen. Unterschiedliche Überzeugungen dürfen klar benannt und begründet werden. Aber wir wollen Menschen mit einer anderen Sicht nicht vorschnell in Schubladen stecken. Theologische Weite bedeutet nicht Beliebigkeit. Sie bedeutet, dem Gegenüber fair zu begegnen, es wirklich zu verstehen suchen, die eigene Position begründen zu können und in all dem lernbereit zu bleiben. 


Vertrauen und Wissenschaft gehören zusammen
 

Ausgangspunkt unserer theologischen Arbeit ist ein Grundvertrauen in Gott und in die Bibel als sein inspiriertes Wort. Wir erwarten, dass Gott durch die Heilige Schrift zu uns spricht, uns den Weg zum Glauben und zum Leben weist und unsere Vorstellungen korrigiert. Deshalb möchten wir bei Studierenden nicht Misstrauen gegenüber der Bibel wecken, sondern Begeisterung, Liebe und Wertschätzung für sie fördern. 

Gerade weil uns die Bibel wichtig ist, wollen wir sorgfältig mit ihr arbeiten. Vertrauen ist kein Ersatz für wissenschaftliche Genauigkeit. Es motiviert dazu. Wir fragen nach dem historischen Kontext, der literarischen Form, der ursprünglichen Sprache und der Entstehungsgeschichte eines Textes. Wir vergleichen Auslegungen und prüfen Argumente. Wissenschaftliche Methoden helfen uns, weniger vorschnell zu lesen und den biblischen Text genauer wahrzunehmen. 

Glaube und Wissenschaft sind für uns deshalb keine Gegner. Der Glaube nimmt die Bibel ernst. Wissenschaftliches Arbeiten hilft uns, sie nicht einfach für unsere bereits vorhandenen Antworten zu benutzen. 


Die Bibel ist nicht mit unserer Auslegung identisch
 

Die Bibel ist die normative Grundlage unserer Theologie. Gleichzeitig unterscheiden wir bewusst zwischen der Bibel und unserer Auslegung der Bibel. Diese Unterscheidung ist entscheidend. Wer die eigene Deutung vorschnell mit der biblischen Wahrheit gleichsetzt, macht sich selbst kaum noch korrigierbar. 

Wir vertrauen der Bibel. Aber wir setzen unsere eigene Auslegung nicht vorschnell mit der biblischen Wahrheit gleich. 

Paulus erinnert daran, dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist. Das führt nicht in Gleichgültigkeit, sondern in Demut. Wir können zu klaren Überzeugungen kommen und sie mutig vertreten. Zugleich bleiben wir bereit, genauer hinzusehen, Einwände zu hören und uns korrigieren zu lassen. 

Darum gibt es bei IGW innerhalb der gemeinsamen Glaubensgrundlage Raum für unterschiedliche Positionen. Dozierende und Studierende müssen nicht in jeder theologischen Einzelfrage dieselbe Antwort geben. Entscheidend ist, dass sie sorgfältig mit der Bibel arbeiten, andere Sichtweisen fair darstellen und eine eigene Position nachvollziehbar begründen. 


Jesus Christus steht im Zentrum
 

In Jesus Christus hat sich Gott in einzigartiger Weise offenbart. In ihm erkennen wir Gottes Wesen und seine guten Absichten mit dieser Welt am klarsten. Sein Leben, seine Botschaft, sein Tod und seine Auferstehung stehen deshalb im Zentrum unseres theologischen Denkens. 

Das bedeutet nicht, einzelne Aussagen Jesu gegen den Rest der Bibel auszuspielen. Das Alte Testament kündigt Gottes Heilshandeln an, die Evangelien bezeugen Jesus Christus und die Briefe reflektieren die Bedeutung seines Lebens in neuen Situationen. Die ganze Schrift gehört zusammen. Doch ihre Mitte ist nicht eine abstrakte Lehre, sondern eine Person. 

Diese christologische Mitte schützt Theologie davor, zu einem bloßen System richtiger Sätze zu werden. Christliche Wahrheit will uns in die Nachfolge Jesu führen und unser Leben prägen. 


Wie wir an einer theologischen Frage arbeiten
 

Theologische Fragen entstehen selten nur am Schreibtisch. Sie begegnen uns in Predigten, Leitungssitzungen, Seelsorgegesprächen und gesellschaftlichen Debatten. Wie kann eine Gemeinde beispielsweise Macht verantwortlich gestalten? Eine solche Frage verlangt mehr als einen einzelnen Bibelvers oder ein bekanntes Führungsmodell. 

  1. Wir nehmen die konkrete Situation wahr. Wer besitzt Macht? Wie wird sie erlebt? Welche Verletzungen, Erwartungen und Strukturen sind beteiligt? Gute Theologie hört zu, bevor sie antwortet. 
  2. Wir arbeiten sorgfältig mit der Bibel. Wir untersuchen relevante Texte in ihrem Zusammenhang und fragen, wie Jesus mit Autorität umgeht. Dabei beziehen wir das Gesamtzeugnis der Schrift ein. 
  3. Wir treten in ein größeres Gespräch ein. Wir hören auf theologische Traditionen, andere Konfessionen, die weltweite Kirche und Erkenntnisse aus Fachgebieten, die zum Verständnis der Situation beitragen. 
  4. Wir bilden ein begründetes Urteil. Wir benennen unsere Überzeugung, unterscheiden dabei zwischen Gewissheit und offenen Fragen und legen nachvollziehbar dar, wie wir zu unserem Urteil gekommen sind. 
  5. Wir fragen nach verantwortlichem Handeln. Theologie bleibt nicht bei einer richtigen Formulierung stehen. Sie muss sich darin bewähren, wie wir Strukturen gestalten, Menschen schützen, Verantwortung teilen und aus Fehlern lernen. 


Dieser Weg verläuft nicht immer so geordnet. Oft führt eine neue Beobachtung zurück zum biblischen Text, oder ein Einwand verändert unsere Wahrnehmung der Situation. Beides wirkt sich aus auf das Urteil. Entscheidend ist die Haltung: Wir wollen weder vorschnell antworten noch uns vor einer Antwort drücken. Wir suchen eine Position, die der Situation gerecht wird, biblisch begründet, fachlich verantwortet und im Leben tragfähig ist.
 


Missionale Theologie fragt nach dem Heute
 

Theologie ist für uns nicht abgeschlossen, wenn ein Text einmal ausgelegt und eine Lehre klar formuliert worden ist. Wir fragen immer wieder: Was bedeutet das Evangelium hier und heute? Wie wird Gottes Reich durch Menschen und Gemeinden sichtbar? Wie können Kirchen wieder von Neuem ihrem Kontext dienen und ein erkennbares Zeugnis für Jesus Christus sein? 

Gesellschaftliche Relevanz bedeutet dabei nicht, jede aktuelle Überzeugung zu übernehmen. Es bedeutet, die wirklichen Fragen, Hoffnungen und Nöte der Menschen ernst zu nehmen. Missionale Theologie hört auf den biblischen Text und auf den Kontext. Sie verbindet Wort und Tat, Evangelisation und gesellschaftliche Verantwortung, persönliche Nachfolge und die Erneuerung von Gemeinschaften. 

Darum ist die Praxis bei IGW kein Ort, an dem fertige Theologie nur noch angewendet wird. Erfahrungen aus Gemeinde und Gesellschaft stellen neue Fragen an unsere Theologie. Umgekehrt hilft theologische Reflexion, Praxis zu prüfen und zu verändern. Beides gehört zusammen. 


Klar verwurzelt und weiterhin lernend
 

Eine klare Homebase und ein weiter Horizont sind für uns keine Gegensätze. Ohne Homebase droht theologische Beliebigkeit. Ohne weiten Horizont drohen Enge, Selbstbestätigung und unnötige Abgrenzung. Wir brauchen beides: verbindliche Grundlagen und die Bereitschaft weiterzulernen. 

IGW steht deshalb für eine Theologie, die der Bibel vertraut, Jesus Christus ins Zentrum stellt, wissenschaftlich sorgfältig arbeitet und die eigene Erkenntnis nicht überschätzt. Wir sind in der freikirchlichen und evangelikalen Tradition zu Hause und verstehen uns zugleich als Teil der weltweiten Kirche. Wir wollen klare Überzeugungen entwickeln, ohne Scheuklappen zu tragen oder Grabenkämpfe zu führen. 

Das ist die Art, wie wir theologisch arbeiten wollen: verwurzelt und lernbereit, demütig und überzeugt, biblisch fundiert, gesellschaftlich relevant und missional ausgerichtet. 

 

 

        Blogartikel
       Von Daniel Janzen 

Eine volle Kirche ist noch kein Erfolg

Was meine Sicht auf Gemeindebau verändert hat


Eine volle Kirche kann ein Grund zur Freude sein. Sie sagt aber noch wenig darüber aus, ob Menschen Jesus ähnlicher werden. Diese Einsicht hat verändert, wie ich über Erfolg, Jüngerschaft und den Auftrag von Gemeinde denke.


Wenn eine volle Kirche sich wie Erfolg anfühlt

In meiner Zeit als Pastor war es verlockend, den Erfolg unserer Arbeit an Besucherzahlen zu messen. Wenn viele Menschen zum Gottesdienst kamen, fühlte sich das gut an. Eine volle Kirche war sichtbar. Man konnte sie zählen, fotografieren und auf Social Media zeigen. Sie vermittelte das Gefühl, dass sich der Einsatz lohnt und die Gemeinde auf einem guten Weg ist.

Ich halte Besucherzahlen deshalb nicht für bedeutungslos. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Wenn Menschen einen Gottesdienst besuchen, Gottes Wort hören und Gemeinschaft erleben, ist das ein Grund zur Dankbarkeit. Problematisch wird es erst, wenn die Zahl zum Bestätigung dafür wird, dass wir unseren Auftrag erfüllt haben.

Irgendwann wurde mir klar: Eine volle Kirche beantwortet noch nicht die entscheidende Frage. Werden Menschen tatsächlich zu Nachfolgerinnen und Nachfolgern Jesu? Lernen sie, ihm im Alltag zu vertrauen, seine Worte ernst zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen und andere auf diesem Weg zu begleiten? Wenn Menschen lediglich unsere Veranstaltungen besuchen, haben wir zunächst mehr Besucher und erstmal „nur“ mehr Arbeit. Aber wir wissen noch nicht, ob geistliche Veränderung entsteht.


Teilnahme ist noch keine Nachfolge

Veranstaltungen können Türen öffnen. Gute Predigten können Orientierung geben. Musik, Kleingruppen, Kinderprogramme und Seelsorge können Menschen tief berühren. Trotzdem macht keines dieser Angebote einen Menschen an sich zum Jünger Jesu. Nachfolge beginnt dort, wo ein Mensch auf Jesus hört und sein Leben auf ihn ausrichtet. Sie zeigt sich nicht nur darin, was jemand besucht oder weiß, sondern darin, wie jemand lebt, liebt und Verantwortung übernimmt.

Mike Breen hat diese Spannung in einem Satz formuliert, der für mich zu einem wichtigen Denkanstoss wurde:

«Wenn wir Jünger machen, ist das Ergebnis immer Gemeinde. Aber wenn wir Gemeinden bauen, kommen dabei nicht immer Jünger heraus.»
Mike Breen

Ich verstehe diesen Satz nicht als mathematische Formel. Gemeinde entsteht nicht einfach von selbst, sobald einige Menschen Jesus nachfolgen. Sie braucht verbindliche Beziehungen, geistliche Leitung, gemeinsame Lehre, Gottesdienst, Abendmahl, Konfliktklärung und verlässliche Strukturen. Breens Satz legt jedoch einen wunden Punkt frei: Wir können viel Energie in eine funktionierende Gemeindeorganisation investieren und trotzdem versäumen, Menschen in eine reife Nachfolge zu führen.

Genau darin liegt die Gefahr. Aus einer guten Veranstaltung kann ein Produkt werden, aus Mitarbeit eine Versorgung dieses Produkts und aus Menschen ein Publikum. Dann fragen wir vor allem, wie viele kommen, wie viele mitarbeiten und wie viel sie geben. Die tiefere Frage gerät aus dem Blick: Was hilft diesen Menschen, Jesus ähnlicher zu werden?


Jüngerschaft und Gemeinde gehören zusammen

Der Missionsauftrag in Matthäus 28,19–20 stellt das Jüngermachen ins Zentrum. Jesus sendet seine Nachfolgerinnen und Nachfolger zu allen Völkern. Sie sollen Menschen taufen und sie lehren, alles zu befolgen, was er geboten hat. Dieser Auftrag zielt nicht auf gelegentliche Teilnahme, sondern auf ein Leben, das von Jesus geprägt wird.

Gleichzeitig ist diese Nachfolge von Anfang an gemeinschaftlich. Wer getauft wird, gehört zu einer neuen Gemeinschaft. Wer Jesu Worte lernt, lernt sie mit anderen und für das gemeinsame Leben. Biblische Jüngerschaft ist deshalb kein individuelles Selbstoptimierungsprogramm. Sie geschieht in der Gemeinde, durch die Gemeinde und für die Sendung der Gemeinde.

Auch Jesu Zusage in Matthäus 16,18 darf nicht zu einer bequemen Arbeitsteilung verkürzt werden: Jesus baut die Gemeinde, während wir uns ausschließlich um einzelne Menschen kümmern. Jesus ist der Herr und Baumeister seiner Gemeinde. Aber er baut sie durch Menschen. Paulus beschreibt sich in 1. Korinther 3,10 als weisen Baumeister, der ein Fundament gelegt hat. Epheser 4 spricht davon, dass Leitungspersonen die Gemeinde zum Dienst befähigen, damit der Leib Christi aufgebaut wird.

Gemeindebau und Jüngerschaft sind deshalb keine konkurrierenden Aufträge. Gemeinde ist die Gemeinschaft, in der Menschen lernen, Jesus nachzufolgen. Und Menschen, die Jesus nachfolgen, übernehmen Verantwortung für diese Gemeinschaft und ihre Sendung. Beides braucht einander.


Menschen sind keine Ressourcen für unsere Vision

Eine zweite Formulierung hat meine Sicht auf Gemeinde geschärft. Die Heart of God Church in Singapur sagt:

«Wir brauchen keine Menschen, um die Kirche zu bauen. Wir brauchen die Kirche, um Menschen zu bauen.»
Heart of God Church, Singapur

Der Satz provoziert, weil Gemeinden natürlich Menschen brauchen. Ohne Menschen gibt es keine Gemeinde. Auch Mitarbeit, Großzügigkeit und Verantwortung sind unverzichtbar. Entscheidend ist jedoch die Richtung: Sind Menschen vor allem Ressourcen für unsere Vision, oder dient unsere Gemeindearbeit dem Leben und der Berufung der Menschen, die Gott uns anvertraut?

Wo wir Menschen hauptsächlich brauchen, um Lücken zu füllen, Programme aufrechtzuerhalten oder Wachstum zu ermöglichen, werden sie leicht zu einem Mittel zum Zweck. Dann wird jemand zuerst als Musikerin, Kleingruppenleiter, Spenderin oder zuverlässiger Helfer wahrgenommen. Die Person hinter der Aufgabe wird zweitrangig. Geistliche Leitung beginnt dagegen mit der Frage, was Gott in diesem Menschen wachsen lassen möchte und wie die Gemeinde ihn dabei begleiten kann. Menschen sind kein Mittel zum Zweck.

Trotzdem ist Gemeinde nicht bloß ein Mittel zur persönlichen Entwicklung. Sie ist Leib Christi, Volk Gottes und Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Programme und Strukturen sind Mittel zum Zweck. Menschen sind es nie. Gemeinde ist die von Jesus gestiftete Gemeinschaft, in der Menschen gemeinsam wachsen, dienen, versöhnt leben und Gottes Sendung teilen.


Was ich heute unter Erfolg verstehe

Meine Konsequenz besteht nicht darin, Besucherzahlen einfach durch eine neue Kennzahl zu ersetzen. Auch die Frage, wie viele Jüngerinnen und Jünger wir gemacht haben, kann zum Leistungsnachweis werden. Geistliche Reife lässt sich nicht vollständig zählen. Sie wird aber sichtbar.

Sie zeigt sich, wenn Menschen Jesus mehr vertrauen als früher. Wenn sie lernen, die Bibel selbst zu lesen und Gottes Reden verantwortlich zu prüfen. Wenn Beziehungen von Liebe, Wahrheit und Versöhnung geprägt werden. Wenn Menschen ihre Gaben einsetzen, den Armen dienen, ihren Glauben im Alltag leben und andere in der Nachfolge begleiten. Und sie zeigt sich, wenn eine Gemeinde nicht nur wächst, sondern reifer, großzügiger, gemeinschaftlicher und missionarischer wird.

Eine volle Kirche kann Teil dieser Geschichte sein. Vielleicht kommen viele Menschen, weil sie dort Jesus begegnen und in eine tragfähige Gemeinschaft hineinwachsen. Dann ist die volle Kirche tatsächlich ein Grund zur Freude. Aber die Fülle des Raumes ist nicht der Erfolg selbst. Sie ist höchstens eine Gelegenheit, Menschen in eine verbindliche Nachfolge einzuladen.


Sieben Fragen an unsere Gemeindearbeit

Seit sich meine Sicht verändert hat, interessieren mich andere Fragen. Sie sind schwieriger zu beantworten als eine Besucherstatistik, aber sie führen näher an den Auftrag Jesu:

  1. Werden Menschen Jesus ähnlicher? Nicht nur ihr Wissen, sondern auch ihr Umgang mit Zeit, Geld, Konflikten, Macht und Beziehungen sollte von ihm geprägt werden.
  2. Lernen Menschen, ihren Glauben selbstständig zu leben? Eine reife Gemeinde macht Menschen nicht dauerhaft von ihren Angeboten oder Leitungspersonen abhängig.
  3. Werden aus Teilnehmenden Mitgestaltende? Nachfolge führt nicht zwangsläufig in eine bestimmte Aufgabe, aber sie weckt die Bereitschaft, Gaben und Verantwortung zum Wohl anderer einzusetzen. Nicht nur in der Gemeinde sondern in dieser Welt mit einer klaren Reich Gottes Perspektive.
  4. Begleiten Menschen andere in der Nachfolge? Jüngerschaft wird tragfähig, wenn sie nicht nur von einigen Hauptamtlichen ausgeht, sondern durch Beziehungen in der ganzen Gemeinde weitergegeben wird.
  5. Unterstützen unsere Programme diese Entwicklung? Jede Veranstaltung und jede Struktur sollte einen erkennbaren Beitrag dazu leisten, dass Menschen Gott begegnen, wachsen, Gemeinschaft leben oder gesendet werden.
  6. Behandeln wir Menschen als Mittel zum Zweck? Unsere Sprache, Erwartungen und Leitungsentscheidungen zeigen, ob uns Menschen wichtiger sind als der reibungslose Betrieb. Einfach gesagt: Träumen wir im Herzen primär von „Größer, besser, schneller, weiter“ oder von „mehr Jesus“?
  7. Entsteht eine reife, liebende und missionale Gemeinschaft? Jüngerschaft bleibt nicht privat. Sie wird in einer Gemeinde sichtbar, die Versöhnung lebt, Verantwortung teilt und sich den Menschen außerhalb ihrer eigenen Kreise zuwendet.

Der Prüfstein unserer Gemeindearbeit

Heute würde ich den Erfolg einer Gemeinde deshalb nicht an einem Set aus Zahlen festmachen. Ich frage, ob unsere Gottesdienste, Gruppen, Leitungsstrukturen und Beziehungen Menschen dabei helfen, gemeinsam Jesus nachzufolgen. Ich frage, ob wir eine Gemeinschaft gestalten, in der Glaube im Alltag reift und weitergegeben wird. Und ich frage, ob unsere Art von Wachstum den Menschen dient oder ob die Menschen unserem Wachstum dienen müssen.

Eine volle Kirche ist noch kein Erfolg. Aber sie kann ein wunderbarer Anfang sein. Entscheidend ist, was aus der Begegnung entsteht. Werden Menschen nur Konsumenten eines religiösen Angebots, oder werden sie zu Nachfolgerinnen und Nachfolgern Jesu, die gemeinsam seine Gemeinde bilden und sein Evangelium in die Welt tragen?

Diese Frage hat meine Sicht auf Gemeindebau verändert. Sie nimmt Gemeinde nicht weniger ernst, sondern mehr. Denn wir bauen nicht an einer erfolgreichen Organisation. Wir wirken daran mit, dass Menschen Jesus nachfolgen und miteinander zu einer reifen Gemeinde werden.


Impuls für dein Leitungsteam

Nehmt euch in eurer nächsten Leitungssitzung eine der sieben Fragen vor. Welche Frage fordert euch am meisten heraus? Fragt anschließend: Was sollten wir stärken, verändern oder vielleicht auch beenden, damit Menschen bei uns gemeinsam Jesus nachfolgen?



 

        Blogartikel
       Von Daniel Janzen

Gott hat alles im Griff. Und wir?

Warum unser Gottesbild unseren Umgang mit der Schöpfung prägt 


2018 stand ich zum ersten Mal auf einem Gletscher. Gemeinsam mit meinem Vater und meinem Bruder überquerte ich die Plaine Morte auf dem Weg zum Wildstrubel. Mein Vater wollte uns diese Schönheit zeigen, solange sie noch da war.
 

Unter meinen Füssen lag eine gewaltige Eisfläche. Umgeben von Bergen, Wind und Weite spürte ich Ehrfurcht. Gleichzeitig wusste ich, wie verletzlich dieser Gletscher war. Wie konnte etwas so Mächtiges überhaupt so verletzlich sein, und welche Verantwortung trugen wir Menschen? 

Diese Erfahrung liess mich nicht mehr los. Sie führte mich zu einer theologischen Frage: Was hat mein Glaube an Gott damit zu tun, wie ich mit der Schöpfung umgehe? 

Christinnen und Christen beurteilen den Klimawandel unterschiedlich. Sie gewichten Ursachen, Prognosen und politische Massnahmen nicht gleich. Dieser Artikel will diese Fragen weder entscheiden noch eine bestimmte klimapolitische Position zum Massstab des Glaubens machen. Die Schöpfungsverantwortung der Kirche hängt aber auch nicht an einer einzigen Interpretation des Klimawandels. Sie beginnt viel grundsätzlicher: bei unserem Bekenntnis zu Gott als Schöpfer, bei der Würde seiner Geschöpfe und bei dem Auftrag, das uns Anvertraute zu bebauen und zu bewahren. 

Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht nur, was wir über das Klima denken. Sie lautet: Was glauben wir über Gott, die Welt und unsere Verantwortung in ihr? 


Wissen allein verändert noch kein Verhalten
 

Viele Menschen wissen, dass menschliches Handeln Folgen hat. Sie sehen verschmutzte Gewässer, den Verlust von Lebensräumen und einen Umgang mit Ressourcen, der nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann. Auch in christlichen Gemeinden gehört die Bewahrung der Schöpfung grundsätzlich zum Auftrag des Menschen. Trotzdem bleibt sie im Glauben und Gemeindeleben häufig ein Randthema. 

Offenbar reicht Wissen allein nicht aus. Auch Werte führen nicht automatisch zu einem veränderten Lebensstil. Mich interessierte deshalb, welche Rolle unsere Gottesvorstellungen spielen. 

Einen wichtigen Anstoss gab mir die 2024 veröffentlichte Ge-Na-Studie zu sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Sie untersuchte religiöse Menschen in Deutschland und der Schweiz. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang: Wer sich Gott vor allem als denjenigen vorstellt, der jedes Ereignis vollständig kontrolliert und nach einem feststehenden Plan lenkt, verhält sich im Durchschnitt weniger ökologisch nachhaltig. 

Eine solche Korrelation beweist keine einfache Ursache. Sie bedeutet auch nicht, dass der Glaube an Gottes Macht zwangsläufig zu Passivität führt. Er stellt uns aber vor eine unbequeme Frage: Kann eine bestimmte Art, über Gottes Souveränität zu sprechen, ungewollt zur Beruhigung werden? 


Wenn Gottes Souveränität zur Ausrede wird
 

«Gott hat alles im Griff» ist für viele Menschen ein tröstlicher Satz. Er erinnert uns daran, dass die Welt nicht allein von unserer Kraft und unseren Entscheidungen abhängt. Gerade angesichts grosser Krisen brauchen wir dieses Vertrauen. 

Doch derselbe Satz kann auch anders wirken: 

Wenn Gott ohnehin alles lenkt und die Welt am Ende erneuert, ist mein Handeln nicht besonders wichtig. 

Dann wird aus Vertrauen Fatalismus. Gottes Souveränität dient nicht mehr als Grund unserer Hoffnung, sondern als Entlastung von Verantwortung. Die kommende neue Schöpfung erscheint wie ein Ersatz für diese Erde. Was heute mit ihr geschieht, verliert an Gewicht. 

Die Bibel verbindet Gottes Herrschaft jedoch immer wieder mit menschlicher Verantwortung. Gott schafft die Welt und vertraut sie Menschen an. Er schenkt Leben, setzt Grenzen und gibt einen Auftrag. Dass Gott handelt, macht unser Handeln nicht überflüssig. Es begründet es. 

Das gilt unabhängig davon, wie jemand einzelne Klimamodelle oder politische Programme beurteilt. Wir müssen nicht in allen Analysen übereinstimmen, um Abfall zu vermeiden, Ressourcen verantwortlich zu nutzen, Tiere und Lebensräume zu schützen oder die Folgen unseres Konsums für andere Menschen zu bedenken. Solche Schritte folgen nicht zuerst einer Partei oder einer Bewegung. Sie folgen aus der Liebe zu Gott und zu dem, was er geschaffen hat. 


Die Schöpfung ist mehr als eine Kulisse
 

Für meine Bachelorarbeit habe ich die Ökotheologien von Sallie McFague, Leonardo Boff und A. J. Swoboda untersucht. Die drei stammen aus sehr unterschiedlichen theologischen Welten. McFague argumentiert protestantisch und ökofeministisch, Boff katholisch und befreiungstheologisch, Swoboda pfingstlich und evangelikal. Keine dieser Stimmen muss vollständig übernommen werden. Gemeinsam stellen sie aber Fragen, denen sich auch evangelikale Theologie nicht entziehen sollte. 

Alle drei widersprechen der Vorstellung, die nichtmenschliche Schöpfung sei bloss Rohstoff oder vorübergehende Bühne für Gottes Geschichte mit den Menschen. Sie betonen ihre Vielfalt, ihre komplexen Zusammenhänge und ihren eigenen Wert vor Gott. Die besondere Beauftragung des Menschen berechtigt ihn nicht zur rücksichtslosen Verfügung. Sie macht ihn verantwortlich. 

Besonders hilfreich ist für mich der Blick auf den Heiligen Geist. In der Bibel begegnet er als Atem, Wind und Lebensspender. Psalm 104 beschreibt, wie die Geschöpfe leben, weil Gott seinen Geist sendet. Der Lebensatem Gottes erinnert uns daran, dass nicht nur Menschen aus sich selbst leben. Die ganze Schöpfung ist empfangenes Leben. 

Swoboda entfaltet daraus eine pfingstliche Schöpfungstheologie. Der Geist wirkt nicht nur im Gottesdienst oder in einzelnen Gaben. Er ist auch der Geist des Schöpfers, der Leben hervorbringt, erhält und zur Erneuerung befähigt. Wer um sein Wirken bittet, kann nicht gleichgültig gegenüber dem bleiben, was dieser Geist belebt. 


Gott in der Schöpfung begegnen
 

McFague und Boff gehen in ihrer Gottesrede teilweise deutlich weiter. Sie sprechen von der Welt als Körper Gottes, von Gottes Gegenwart im gesamten Kosmos und von einer Schöpfung, in der Gott aufscheint. Diese Bilder können helfen, die Nähe Gottes zu seiner Welt neu wahrzunehmen. Sie bergen aber auch Risiken. 

Die Schöpfung ist nicht Gott. Ein Wald, ein Tier oder ein Berg darf nicht vergöttlicht werden. Gott ist seiner Welt nahe und bleibt doch ihr Schöpfer. Auch lässt sich nicht alles in der Natur unmittelbar als Offenbarung seines Wesens deuten. Die Schöpfung zeigt Schönheit und Fülle, aber auch Schmerz und Tod. 

Deshalb braucht unsere Wahrnehmung der Natur theologische Prüfung. Was wir dort über Gott zu erkennen meinen, muss sich am biblischen Zeugnis, an Jesus Christus und im Gespräch der Kirche bewähren. Gerade an diesem Punkt haben mich die untersuchten Ansätze nicht nur inspiriert, sondern auch zu kritischen Rückfragen geführt. 

Aus Sorge vor einer Vergöttlichung der Natur sollten wir aber nicht ins andere Extrem fallen. Die Unterscheidung zwischen Schöpfer und Schöpfung bedeutet keine Trennung. Die Welt ist nicht göttlich, aber sie gehört Gott und trägt Spuren seiner Weisheit. Wir können ihm in seiner Schöpfung begegnen, ohne ihn mit ihr gleichzusetzen. 


Was Gott liebt, kann uns nicht gleichgültig sein
 

Der stärkste gemeinsame Gedanke der von mir untersuchten Theologien liegt für mich in ihrer Christologie. Gott bleibt dem Leiden seiner Geschöpfe nicht fern. In Jesus wird er selbst Teil der verletzlichen, materiellen Welt. Er kennt Hunger, Schmerz, Ausgrenzung und Tod. 

Das Kreuz zeigt keinen Gott, der unbeteiligt über der Welt thront. Es zeigt einen Gott, der sich seiner Schöpfung zuwendet und ihr Leiden trägt. Die neutestamentliche Hoffnung reicht deshalb weiter als die Rettung einzelner Seelen. Nach Kolosser 1 will Gott durch Christus alles mit sich versöhnen. Nach Römer 8 seufzt die ganze Schöpfung und wartet auf Erlösung. 

Darum ist es angemessen zu sagen: 

Wer Gottes Schöpfung zerstört, beschädigt etwas, das Gott liebt und das er in Christus mit sich versöhnen will. 

Diese Aussage setzt keine Einigkeit über jede ökologische Diagnose voraus. Sie ruft aber zu einer Haltung der Achtsamkeit auf. Wer begründete Zweifel an einer Prognose hat, ist damit nicht von der Verantwortung entbunden, sorgsam mit Boden, Wasser, Tieren, Pflanzen und Mitmenschen umzugehen. Ebenso darf ökologisches Engagement nicht dazu führen, Menschen mit anderen Einschätzungen vorschnell moralisch oder geistlich abzuwerten. 

Schöpfungsverantwortung braucht Wahrheit und Demut. Sie hört auf wissenschaftliche Erkenntnisse, prüft politische Lösungen und weiss zugleich, dass keine Partei das Reich Gottes vertritt. Sie nimmt reale Schäden ernst, ohne Angst zum Motor des Glaubens zu machen. 


Hoffnung nimmt uns in die Verantwortung
 

Christliche Hoffnung sagt nicht: Wir Menschen müssen die Welt retten. Dieser Anspruch würde uns überfordern und leicht in Angst oder Resignation führen. Christliche Hoffnung sagt: Gott gibt seine Schöpfung nicht auf. 

Die Auferstehung Jesu ist dafür das entscheidende Zeichen. Gott vernichtet das Geschaffene nicht, um etwas völlig Fremdes an seine Stelle zu setzen. Er erweckt, verwandelt und vollendet. Darum ist die Hoffnung auf eine neue Schöpfung keine Erlaubnis zur Vernachlässigung der alten. Sie ist die Zusage, dass unser Einsatz nicht sinnlos ist. 

Gottes Souveränität und menschliche Verantwortung sind keine Gegensätze. Ich muss nicht glauben, dass alles von mir abhängt. Aber ich darf glauben, dass mein Handeln Bedeutung hat. Gott wirkt, und er lädt Menschen ein, an seinem heilenden und versöhnenden Handeln teilzunehmen. 

Das beginnt oft unspektakulär. Gemeinden können Schöpfungsverantwortung in Predigt, Gebet und Jüngerschaft aufnehmen, ihren Energieverbrauch und Einkauf prüfen. Einzelne können bewusster konsumieren, weniger verschwenden, reparieren, teilen und sich gemäss ihren Möglichkeiten engagieren. 

Nicht alle müssen dieselben Schwerpunkte setzen, und nicht jede Massnahme passt in jedes Umfeld. Entscheidend ist, die Frage nicht aus unserem Glauben auszulagern. Schöpfungsverantwortung ist weder Ersatz für Evangelisation noch ein Nebenthema besonders naturverbundener Menschen. Sie gehört zur Nachfolge des Schöpfers, zur Nächstenliebe und zur Hoffnung auf Gottes erneuerte Welt. 


Theologie zeigt sich im Leben
 

Während meines Studiums habe ich sehr unterschiedliche theologische Entwürfe kennengelernt. Manche Gedanken haben mich fasziniert, andere haben mich irritiert. Ich musste prüfen, wo sie das biblische Zeugnis neu erschliessen und wo sie wichtige Grenzen verwischen. 

Gerade darin liegt für mich der Wert theologischer Ausbildung. Sie bestätigt nicht nur vertraute Antworten. Sie hilft, die eigenen Gottesvorstellungen wahrzunehmen, fremde Stimmen fair zu hören und ihre Konsequenzen für das Leben zu prüfen. 

Theologie bleibt nicht in Büchern. Unser Gottesbild zeigt sich darin, was wir für wertvoll halten, wofür wir Verantwortung übernehmen und worauf wir hoffen. Ein Gottesbild, das Gottes Macht gegen menschliche Verantwortung ausspielt, bleibt zu klein. Wir brauchen eine Sicht, in der Gottes Souveränität, seine Liebe zur Schöpfung und unser Auftrag zusammengehören. 

Auf dem Gletscher begegnete mir nicht «die Natur» als etwas, das ausserhalb von mir liegt. Ich stand mitten in einer Schöpfung, zu der auch ich gehöre. 

Ich muss die Welt nicht retten. Doch ich darf mich von Gottes Geist befähigen lassen, das zu schützen, was Gott geschaffen hat und liebt. Vielleicht zeigt sich mein Vertrauen darauf, dass Gott alles im Griff hat, gerade darin, dass ich das Meine nicht aus der Hand gebe. 


Blogartikel
Von Aline von Fellenberg 


Zur Abschlussarbeit

Dieser Artikel basiert auf der Bachelorarbeit «Der grüne Gott. Eine Literaturarbeit über ökotheologische Gottesvorstellungen» von Aline von Fellenberg, Bachelor of Arts, IGW, Mai 2026. Die Arbeit untersucht die Gottesvorstellungen bei Sallie McFague, Leonardo Boff und A. J. Swoboda sowie deren möglichen Einfluss auf ökologisch nachhaltiges Handeln. 

Die dunkle Seite der Leitung

Was Luke Skywalker und Darth Vader über Einfluss, Charakter und geistliche Macht lehren


Kompetenz kann Menschen befähigen, anderen zu dienen. Sie vergrössert aber auch ihren Einfluss. Wenn Charakter, Beziehungen und Rechenschaft nicht mitwachsen, kann geistliche Leitung zerstörerisch werden.


Wenn Luke sich selbst in Vader erkennt

Eine Schlüsselszene aus Star Wars erzählt erstaunlich viel über Leitung. Man muss die Filme nicht kennen, um sie zu verstehen. Luke Skywalker ist der junge Held der Geschichte. Darth Vader, sein Vater, ist ein mächtiger Anführer, der sich dem Bösen verschrieben hat. Im entscheidenden Kampf wird Luke von Wut überwältigt. Er schlägt Vader die Hand ab. Dann sieht er die künstliche Hand seines Vaters und blickt auf seine eigene, ebenfalls künstliche Hand. In diesem Moment erkennt er: Ich bin dabei, genauso zu werden wie der Mensch, den ich bekämpfe.

Luke siegt nicht deshalb, weil die dunkle Seite in ihm keine Anziehungskraft hätte. Er siegt, weil er ihr Wirken in sich selbst erkennt und den Kampf unterbricht. Er legt seine Waffe weg. Gerade darin liegt die geistliche Kraft dieser Szene. Die Grenze zwischen guter und zerstörerischer Leitung verläuft nicht einfach zwischen den Guten und den Bösen. Sie verläuft durch das Herz jedes Menschen, der Einfluss ausübt.

Star Wars ist keine christliche Erzählung, und die dort beschriebene Macht ist nicht mit Gottes Wirken gleichzusetzen. Trotzdem macht die Geschichte eine menschliche Wahrheit sichtbar: Fähigkeiten und gute Absichten schützen niemanden automatisch vor Selbsttäuschung und Machtmissbrauch.


Führung bedeutet Einfluss

Wer leitet, beeinflusst andere. Leitende prägen Entscheidungen, Sprache, Beziehungen und oft auch das Bild, das Menschen von Gott und Gemeinde entwickeln. Dieser Einfluss ist eine Form von Macht. Macht ist dabei nicht grundsätzlich negativ. Ohne sie könnten wir kaum Verantwortung übernehmen oder Veränderungen gestalten. Entscheidend ist, wofür und wie wir sie einsetzen.

Jesus verschweigt die Wirklichkeit von Macht nicht. Er stellt jedoch ihre Logik auf den Kopf. Als seine Jünger um Rang und Bedeutung ringen, verweist er auf Herrscher, die ihre Macht über andere ausüben. Unter seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern soll es anders sein: Wer gross sein will, soll dienen (Markus 10,42–45). Christliche Leitung wird deshalb nicht daran gemessen, wie viele Menschen jemand bewegen kann, sondern wie dieser Einfluss dem Leben anderer dient.

Das gilt besonders für geistliche Leitung. Wer predigt, lehrt oder seelsorgerlich begleitet, arbeitet mit Vertrauen. Menschen öffnen ihr Innerstes, weil sie davon ausgehen, dass Leitende verantwortlich mit ihrer Rolle umgehen. Wo dieses Vertrauen benutzt wird, um Kritik abzuwehren, Loyalität einzufordern oder eigene Bedürfnisse durchzusetzen, wird geistliche Autorität zerstörerisch.


Kompetenz vergrössert auch die Reichweite unserer Schwächen

Eine theologische Ausbildung vermittelt Wissen, Sprache und Handlungskompetenz. Das ist wertvoll. Wer die Bibel sorgfältig auslegen, komplexe Zusammenhänge verständlich erklären und eine Organisation führen kann, ist besser darauf vorbereitet, anderen zu dienen. Doch dieselben Fähigkeiten können auch falsch eingesetzt werden. Wer überzeugend reden kann, kann nicht nur Orientierung geben, sondern auch manipulieren. Wer theologisch sprachfähig ist, kann nicht nur Wahrheit erschliessen, sondern das eigene Verhalten religiös rechtfertigen. Wer Menschen mobilisieren kann, kann sie auch an sich binden.

Kompetenz macht einen Menschen nicht schlechter, aber sie vergrössert seine Wirkung. Damit kann sie auch die Reichweite ungeklärter Ängste, eines verletzten Egos oder eines ungesunden Bedürfnisses nach Anerkennung vergrössern. Ein Studium ersetzt deshalb weder Charakterbildung noch geistliche Reife. Je mehr Einfluss ein Mensch erhält, desto wichtiger wird die Frage, ob sein Umgang mit Macht mitwächst.


Geistliches Scheitern beginnt lange vor dem sichtbaren Fall

Auch Darth Vader wird in der Geschichte nicht in einem einzigen Moment zum zerstörerischen Anführer. Bevor er diesen Namen trägt, ist er Anakin Skywalker, ein begabter junger Mann mit dem Wunsch, Gutes zu tun. Zugleich lebt er mit Verlust, Angst und dem starken Bedürfnis, Menschen um jeden Preis vor dem Tod zu bewahren. Der spätere Imperator erkennt diese Angst, verspricht ihm Kontrolle und zieht ihn Schritt für Schritt in Abhängigkeit.

Darin liegt eine ernste Beobachtung für geistliche Leitung. Sichtbares Versagen beginnt oft viel früher: bei Verletzungen, über die niemand sprechen darf, bei wachsender Isolation, bei Schmeichelei, die Kritik ersetzt, oder bei dem Gefühl, für die eigene Aufgabe unentbehrlich zu sein. Auch ein guter Auftrag kann zum Vorwand werden, Grenzen zu überschreiten. Wir reden uns dann ein, das Ziel sei so wichtig, dass wir Kontrolle ausüben, Menschen übergehen oder Verantwortung nicht mehr teilen dürfen.

Sprüche 4,23 mahnt: «Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.» Das Herz zu behüten bedeutet nicht, nur auf die eigene Aufrichtigkeit zu vertrauen. Es bedeutet, die eigenen Motive vor Gott prüfen zu lassen und anderen Menschen Einblick zu geben, bevor blinde Flecken zu zerstörerischen Mustern werden.


Warum ein gutes Herz allein nicht genügt

Oft hoffen wir, geistlicher Missbrauch lasse sich verhindern, wenn die richtigen Menschen leiten. Charakter ist tatsächlich zentral. Doch auch aufrichtige und geistlich reife Menschen bleiben fehlbar. Unter Druck, in Krisen oder nach Jahren des Erfolgs können sich Wahrnehmung und Verhalten verändern. Darum braucht verantwortliche Leitung nicht nur gute Absichten, sondern Beziehungen und Strukturen, die Macht begrenzen und Korrektur ermöglichen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Menschen, die ehrliche Fragen stellen dürfen und nicht von der leitenden Person abhängig sind
  • geteilte Verantwortung und nachvollziehbare Entscheidungswege
  • regelmässige geistliche Begleitung, Supervision oder Mentoring
  • eine Kultur, in der Fehler eingestanden und Verletzungen benannt werden können
  • klare Grenzen sowie Verfahren, die auch dann gelten, wenn eine Person besonders erfolgreich oder beliebt ist


Solche Strukturen sind kein Ausdruck von Misstrauen. Sie nehmen ernst, dass kein Mensch sich selbst vollständig durchschaut. Rechenschaft schützt Gemeinden und Mitarbeitende. Sie schützt auch Leitende davor, sich schleichend mit ihrer Rolle oder ihrem Erfolg zu verwechseln.


Macht wird im Geist Jesu anders gebraucht

Am Beginn seines öffentlichen Wirkens wird Jesus versucht, seine Vollmacht zur Selbstversorgung, zur spektakulären Selbstdarstellung und zur Herrschaft über die Reiche der Welt einzusetzen (Matthäus 4,1–11). Er lehnt diese Wege ab. Später beschreibt Paulus den Weg Jesu als freiwillige Selbsthingabe: Christus hält nicht an seinem Rang fest, sondern erniedrigt sich und wird gehorsam (Philipper 2,5–8).

Jesus verzichtet nicht darauf, wirksam zu handeln. Er heilt, lehrt, konfrontiert und beruft Menschen. Aber er gebraucht seine Vollmacht nicht, um sich selbst zu erhöhen. Er dient, gibt Raum und schliesslich sein Leben. Darin liegt das christliche Gegenbild zur dunklen Seite der Leitung: Macht wird nicht geleugnet, sondern im Geist Jesu zum Schutz, zur Befähigung und zum Dienst an anderen eingesetzt.


Was Persönlichkeitsentwicklung bei IGW deshalb bedeutet

Bei IGW wollen wir Menschen nicht nur theologisch ausbilden und für Leitungsaufgaben qualifizieren. Wir wollen Lernräume schaffen, in denen auch Persönlichkeit, Spiritualität und der eigene Umgang mit Einfluss zum Thema werden. Darum gehören Studium und verantwortliche Praxis zusammen. Persönliche Begleitung, Feedback und Reflexion helfen, Erfahrungen nicht nur auszuwerten, sondern sich durch sie verändern zu lassen.

Das bietet keine Garantie gegen Scheitern. Kein Studienmodell kann ein reifes Herz produzieren. Es kann aber Fragen wachhalten, die im Erfolg leicht verstummen: Wem dient mein Einfluss? Wer darf mir widersprechen? Wo reagiere ich aus Angst? Welche Rolle spielt Anerkennung für mich? Kann ich Macht teilen und auch wieder abgeben?


Die dunkle Seite beginnt nicht bei den anderen

Die stärkste Lektion aus Lukes Geschichte lautet deshalb nicht: Entscheide dich, ein guter Leiter wie Luke und kein böser Leiter wie Vader zu sein. Sie lautet: Erkenne, dass auch in dir die Möglichkeit liegt, deinen Einfluss aus Angst, Wut, Stolz oder Kontrollbedürfnis zu missbrauchen. Geistliche Reife beginnt dort, wo wir diese Möglichkeit nicht verdrängen, sondern sie ans Licht bringen.

Leitung braucht Kompetenz. Sie braucht ebenso Charakter, tragfähige Beziehungen und Strukturen, die Korrektur ermöglichen. Denn je grösser unser Einfluss wird, desto weniger genügt die Frage, ob wir das Richtige erreichen. Ebenso wichtig ist, auf welchem Weg wir es erreichen und zu welchem Menschen wir dabei werden.


Dein nächster Schritt

Möchtest du theologische Kompetenz entwickeln und zugleich in Persönlichkeit, Spiritualität und verantwortlicher Leitung wachsen? Auf der Website von IGW findest du Informationen zu unseren Studienangeboten und Möglichkeiten, mit uns ins Gespräch zu kommen.

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Pfingsten heißt, die Sprache der anderen zu lernen

Wie der Heilige Geist Einheit schafft, ohne Unterschiede auszulöschen

Unsere Gesellschaft leidet nicht an zu wenig Kommunikation. Wir senden, posten und kommentieren ununterbrochen. Und doch fällt es uns schwer, Menschen ausserhalb der eigenen Gruppe wirklich zu verstehen. Die Pfingstgeschichte eröffnet dazu eine überraschende Perspektive: Gottes Geist schafft keine Einheitssprache. Er befähigt Menschen, die Sprache der anderen zu sprechen.


Wir reden viel und verstehen uns wenig

Europa ist vielfältig. Menschen unterscheiden sich durch Herkunft, Sprache, politische Überzeugungen, soziale Milieus und religiöse Traditionen. Diese Vielfalt ist reich und schön. Sie kann aber auch zur Quelle von Abgrenzung werden. Digitale Medien verschärfen das Problem. Noch nie war es so einfach, Menschen zu finden, die unsere Sicht bestätigen. Zugleich verlieren wir die Übung, Stimmen zu hören, die uns widersprechen. Wir sprechen miteinander und leben doch in getrennten Wirklichkeiten.

Das Problem beginnt tiefer als bei unterschiedlichen Meinungen. Es betrifft unsere Identität. Die Sozialpsychologie beschreibt, wie Menschen sich Gruppen zuordnen, sich mit ihnen identifizieren und sie mit anderen Gruppen vergleichen. Zugehörigkeit gibt Halt. Gefährlich wird sie, wenn Vertrauen, Sympathie und Wohlwollen fast nur noch der eigenen Gruppe gelten. Man muss die anderen nicht einmal hassen. Es genügt, ihnen das Gute vorzuenthalten, das man den Eigenen selbstverständlich zugesteht.

Genau hier stellt sich eine theologische Frage: Kann christliche Identität Menschen verbinden, ohne ihre Unterschiede einzuebnen? Oder wird auch der Glaube zu einem weiteren Merkmal, mit dem sich eine Gruppe über andere erhebt? Apostelgeschichte 2 gibt darauf eine bemerkenswerte Antwort.


Gott ist nicht der Besitz unserer Gruppe

Der Theologe Ingolf U. Dalferth hat einen hilfreichen Gedanken formuliert. Menschliche Gleichheit braucht einen Bezugspunkt, der nicht einer der beteiligten Gruppen gehört. Er nennt diesen Bezugspunkt den Dritten. Wenn eine Gruppe selbst bestimmt, wer als gleichwertig gilt, kann sie diese Anerkennung auch wieder entziehen. Der Dritte muss deshalb der Verfügung aller Gruppen entzogen sein. Dalferths Schluss lautet: Letztlich kann nur Gott dieser Dritte sein.

Theologisch gesprochen sind wir Menschen nicht deshalb gleich, weil wir einander ähnlich genug wären. Wir sind gleich, weil Gott Gott ist und wir es nicht sind. Er ist der Schöpfer, wir sind seine Geschöpfe. Keine Nation, Kultur, soziale Schicht und auch keine Kirche kann sich selbst zur Norm des Menschseins machen. Vor Gott ist jede Identität eine besondere Identität unter anderen.

An Pfingsten erhält dieser Gedanke eine pneumatologische Zuspitzung. Petrus deutet das Geschehen mit der Verheissung aus Joel: Gott wird seinen Geist auf alles Fleisch ausgiessen. Söhne und Töchter, Junge und Alte, Dienende und gesellschaftlich Angesehene werden einbezogen. Damit wird nicht behauptet, jeder Mensch sei unabhängig vom Glauben bereits vom Geist erfüllt. Wohl aber wird jeder menschliche Monopolanspruch durchbrochen. Keine Gruppe besitzt den Heiligen Geist. Gottes Gegenwart lässt sich weder von einer Kultur noch von einem Geschlecht, einer Generation oder einer Konfession vereinnahmen.


Pfingsten ist keine Rückkehr zur Einheitssprache

Häufig wird Pfingsten als Umkehrung der Geschichte vom Turmbau zu Babel gelesen. In Genesis 11 wird die gemeinsame Sprache verwirrt, in Apostelgeschichte 2 würden die Menschen einander wieder verstehen. Das ist nicht falsch, greift aber zu kurz. Denn an Pfingsten wird die sprachliche Vielfalt nicht aufgehoben. Es entsteht keine neue heilige Einheitssprache. Parther, Meder, Menschen aus Ägypten, Rom und vielen weiteren Regionen hören Gottes grosse Taten jeweils in ihrer eigenen Sprache.

Das ist theologisch entscheidend. Nicht die Besucher Jerusalems müssen zuerst die Sprache der Jünger lernen. Der Geist befähigt die Jünger, die Sprachen der Besucher zu sprechen. Gottes Weg zur Einheit besteht nicht darin, alle Besonderheiten einer dominanten Kultur unterzuordnen. Er schafft Verständigung, indem Menschen die Grenze zur Lebenswelt der anderen überschreiten.

Wir verstehen die vielen Sprachen deshalb als ein hörbares Zeichen, beinahe als ein sprachliches Sakrament des Friedensreiches Gottes. Das Wort Sakrament ist hier weit gefasst. Gemeint ist ein wahrnehmbares Zeichen, in dem Gottes kommende Wirklichkeit bereits aufleuchtet. Menschen hören nicht nur eine Botschaft über Versöhnung. In der Art, wie sie ihnen begegnet, erfahren sie schon etwas von dieser Versöhnung. Ihre Sprache und damit ihre Geschichte und Würde erhalten Raum.


Mission beginnt mit dem Überschreiten der eigenen Grenze

Damit verändert Pfingsten auch unser Verständnis von Mission. Mission bedeutet nicht, dass eine religiöse Gruppe ihr Wissen, ihre Formen und ihre Sprache in eine fremde Lebenswelt exportiert. Sie folgt der Bewegung Jesu. Das Evangelium nimmt Gestalt in der Welt der anderen an. Wer vom Geist gesandt wird, spricht deshalb nicht nur zu Menschen. Er lernt, mit ihnen zu sprechen und an ihrem Leben teilzunehmen.

Das verlangt mehr als eine geschickte Übersetzung christlicher Begriffe. Die Sprache eines Menschen lernen heisst, seine Fragen ernst zu nehmen, seine Erfahrungen zu hören und wahrzunehmen, wo die eigene Position mit Macht verbunden ist. Manchmal bedeutet es, auf das Vorrecht zu verzichten, die Situation allein zu deuten. Die andere Person ist nicht nur Adressatin unserer Botschaft. Sie darf selbst sprechen und unser Verständnis von Gottes Wirken herausfordern.

Apostelgeschichte 10 führt diesen Gedanken weiter. Petrus erlebt im Haus des römischen Hauptmanns Kornelius, dass der Geist die von der Kirche gezogene Grenze überschreitet, bevor diese sie theologisch verarbeitet hat. Die Gemeinde verfügt nicht über Gottes Mission. Sie wird eingeladen, an dem teilzunehmen, was der Geist tut. Eine solche kooperative Pneumatologie macht demütig. Wir bringen Gott nicht in eine geistlose Welt. Wir rechnen damit, dass er uns vorausgeht und unsere gewohnten Kategorien korrigieren kann.


Treue Erinnerung statt pfingstlicher Nostalgie

Für pfingstlich geprägte Kirchen ist Apostelgeschichte 2 mehr als ein Bericht über die Vergangenheit. Die Erzählung prägt ihre Identität. Doch eine identitätsprägende Erinnerung kann auf zwei Arten wirken. Sie kann nostalgisch werden und versuchen, frühere Phänomene möglichst genau zu wiederholen. Oder sie kann zur kritischen Erinnerung werden, die unser heutiges Leben an Gottes damaligem Handeln misst.

Die Erweckung an der Azusa Street in Los Angeles zeigt beides. Ab 1906 kamen unter der Leitung des afroamerikanischen Predigers William J. Seymour Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, sozialer Stellung und verschiedenen Geschlechts zum gemeinsamen Gottesdienst zusammen. In einer von Rassentrennung geprägten Gesellschaft war das ein starkes Zeichen. Zugleich wurden viele dieser Grenzen in Teilen der Pfingstbewegung später wieder aufgebaut. Die eigene Ursprungsgeschichte garantiert also keine versöhnte Gegenwart. Gerade deshalb muss sie erinnert werden.

Treue Erinnerung fragt nicht zuerst, ob dieselben Manifestationen erneut auftreten. Sie fragt, ob die soziale Wirkung des Geistes unter uns sichtbar wird. Entsteht eine Gemeinschaft, in der Menschen einander hören? Werden bisher übergangene Stimmen ernst genommen? Verlieren Herkunft, Status und Geschlecht ihre Macht, über den Wert und die Berufung eines Menschen zu entscheiden? Wo dies geschieht, wird Pfingsten nicht bloss wiederholt. Es wird in der Gegenwart bezeugt.


Der Gottesdienst als Schule des Verstehens

Theologie bleibt hier nicht bei einer gesellschaftlichen Idee stehen. Sie führt in eine konkrete Praxis. Im Gottesdienst wird christliche Identität eingeübt. Wir hören auf Gott und aufeinander. Wir singen, klagen, erzählen und beten gemeinsam. Menschen empfangen Gaben nicht zur Selbstbestätigung, sondern zum Dienst an anderen. So kann der Gottesdienst zu einem kleinen Modell einer versöhnten Gesellschaft werden.

Während des Krieges zwischen Kroatien und Serbien in den 1990er Jahren entschieden sich kroatische und serbische Pfingstchristen in Stuttgart, weiterhin gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Das löste Misstrauen und Kritik aus. Gerade darin wurde jedoch sichtbar, was eine vom Geist geprägte Identität vermag. Die nationale Zugehörigkeit wurde nicht geleugnet. Aber sie verlor das Recht, aus Glaubensgeschwistern Feinde zu machen.

Solche Versöhnung entsteht nicht automatisch. Gemeinden müssen die Grammatik des Geistes lernen. Dazu gehört, Menschen aus anderen Lebenswelten nicht nur zum Mitmachen einzuladen, sondern ihnen zu erlauben, Formen, Sprache und Leitung mitzuprägen. Eine Kirche spricht die Sprache der anderen erst dann wirklich, wenn deren Stimme auch sie selbst verändern darf.


Welche Sprache müssen wir lernen?

Die Pfingstgeschichte stellt unseren Gemeinden deshalb unbequeme, aber heilsame Fragen:

  • Wer muss sich bei uns beständig der Kultur der Mehrheit anpassen?
  • Welche Stimmen kommen in Gottesdienst und Leitung kaum zu Wort?
  • Verstehen wir die Lebenswelt der Menschen, die wir erreichen möchten, oder kennen wir nur unsere Antworten?
  • Können Menschen mit gegensätzlichen politischen Überzeugungen bei uns gemeinsam beten und einander zuhören?
  • Wo sprechen wir für andere, statt ihnen Raum zu geben, selbst zu sprechen?


Pfingsten verheisst keine unterschiedslose Gemeinschaft. Der Geist macht aus vielen Menschen nicht eine einheitliche Masse. Er schafft eine Gemeinschaft, in der Unterschiede nicht länger zur Begründung von Überlegenheit und Ausschluss dienen. Einheit entsteht, weil Menschen sich gemeinsam auf Gott beziehen und sich von ihm in die Lebenswelt der anderen senden lassen.

Vielleicht besteht der pfingstliche Beitrag zu einer fragmentierten Gesellschaft deshalb nicht zuerst in lauteren Stimmen oder eindeutigeren Positionen. Vielleicht beginnt er mit einem Wunder des Hörens und Sprechens: Der Heilige Geist lehrt uns eine Sprache, die nicht unsere eigene ist.

 

Blogartikel
Von Matthias Wenk und Tom Kurt
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Zu den Autoren

Dr. Matthias Wenk und Dr. Tom Kurt sind beide Pastoren und Dozenten bei IGW. Sie stehen mitten in der Gemeindepraxis und zugleich in der Theologischen Forschung.

Dieser Blogartikel entfaltet zentrale Gedanken ihres englischsprachigen Fachbeitrags „Identity, Communication and Acts 2: A Pentecostal Contribution Towards the Healing of a Fragmented European Society“, erschienen 2024 im Sammelband „Pentecostal Public Theology“.

Zum wissenschaftlichen Fachbeitrag: Springer Nature

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Gott will nicht deine Agenda. Er will dich.

Was ich von Marco Hoffmann über Berufung, Beziehungen und drei Jahrzehnte im pastoralen Dienst gelernt habe

Zwischen Marco Hoffmann und Celina Thöny liegen mehr als drei Jahrzehnte pastoraler Erfahrung. Marco gehörte 1991 zum allerersten Jahrgang von IGW. Celina studiert heute bei uns und bereitet sich auf einen Weg vor, von dem sie noch nicht genau weiß, wohin er sie führen wird.

An diesem Tisch saßen deshalb nicht nur drei Menschen. Dort begegneten sich Anfang und Rückblick, Berufung und Erfahrung, Erwartung und Ernüchterung.

Mich interessierte vor allem eine Frage: Was trägt einen Menschen durch drei Jahrzehnte pastoralen Dienst? Was lässt ihn durch Begeisterung und Enttäuschung, erfüllende Begegnungen und zerbrochene Beziehungen, sogar durch einen Burnout hindurchgehen und dabei die Leidenschaft bewahren?

Marcos Antwort lässt sich nicht auf eine Erfolgsformel reduzieren. Aber zwei Worte kehrten immer wieder: Berufung und Beziehung.


Berufen, bevor das Ziel feststeht

Marco wuchs in einem Elternhaus auf, das mit Kirche und Glauben nichts zu tun hatte. Erst später lernte er Jesus Christus kennen. Bald merkte er, dass Menschen ihm zuhörten, wenn er die Bibel öffnete. Andere erkannten eine Gabe in ihm und ermutigten ihn, sich ausbilden zu lassen.

Marco arbeitete damals erfolgreich in der Wirtschaft. Pastor zu werden, war nicht sein Plan. Als Heinz Strupler ihm von einem neuen Bibelschulprojekt erzählte, sagte er zunächst Nein. Zu Hause berichtete er seiner Frau davon. Ihre Antwort war überraschend klar: Sie habe schon lange gewusst, dass er das machen müsse.

So landete Marco im ersten Jahrgang von IGW. Nicht mit einem fertigen Berufsbild vor Augen, sondern mit der Überzeugung: Gott hat mich gerufen. Ich will herausfinden, was er daraus macht.

Im Rückblick beobachtet Marco einen Unterschied. Viele, die einen Ruf Gottes wahrgenommen hatten, blieben auch dann auf dem Weg, wenn das Ziel noch nicht klar war. Wer lediglich ausprobieren wollte, ob ein Theologiestudium vielleicht passen könnte, hielt den Belastungen oft weniger lange stand.

Das hat mich nachdenklich gemacht. Wir fragen junge Menschen häufig: Was ist dein Ziel? Wo willst du später arbeiten? Welche Funktion strebst du an? Das sind sinnvolle Fragen. Doch Berufung beginnt oft eine Ebene tiefer. Sie beantwortet nicht sofort, wohin der Weg führt. Sie klärt aber, warum ich ihn gehe.

Marco wusste nicht, ob er einmal Pastor werden würde. Er wusste nur, dass Gott ihn in die Verkündigung rief. Ob auf einer Kanzel, auf der Straße oder im Wald, war für ihn zunächst zweitrangig. Entscheidend war: Gott hat gesprochen. Ich möchte antworten.

Eine solche Berufung ist kein Schutz vor Krisen. Sie ist auch kein Versprechen, dass alles gelingt. Aber sie kann in schwierigen Zeiten zum inneren Anker werden. Wenn Aufgaben mühsam werden, Anerkennung ausbleibt oder die eigene Kraft schwindet, stellt sich die Frage neu: Warum tue ich, was ich tue?


Wer Menschen liebt, macht sich verletzlich

Die schönsten Erinnerungen aus Marcos Dienst haben mit Menschen zu tun. Er hat Kinder auf dem Arm gehalten, die heute erwachsen sind, eigene Familien haben und selbst Verantwortung übernehmen. Er durfte Menschen taufen und miterleben, wie sie im Glauben wuchsen. In manchen Lebensgeschichten hat er nur eine kleine Rolle gespielt. Gerade das empfindet er als großes Vorrecht.

Auch seine schmerzhaftesten Erfahrungen haben mit Menschen zu tun. Meinungsverschiedenheiten belasteten Beziehungen. Freundschaften zerbrachen. Entscheidungen, die der ganzen Gemeinde dienen sollten, verletzten einzelne Menschen. Manches würde Marco heute anders machen. An manchen Brüchen hatte er selbst seinen Anteil.

Damit benannte er eine Spannung, die zum pastoralen Dienst gehört. Eine Pastorin oder ein Pastor begleitet Menschen persönlich und trägt zugleich Verantwortung für eine Organisation. Meistens lässt sich beides gut miteinander verbinden. Manchmal aber nicht. Dann kann eine Entscheidung für das Ganze eine einzelne Beziehung beschädigen.

Celina brachte in unserem Gespräch einen wichtigen Gedanken ein. Wer liebt, geht das Risiko ein, verletzt zu werden. Leidenschaft trägt das Leiden bereits im Wort. Doch gerade darin kann eine Tiefe entstehen, die wir nie kennenlernen, wenn wir nur die Höhepunkte suchen.

Das gilt nicht nur für Pastoren. Jede Form geistlicher Leiterschaft lebt von Beziehungen. Wer Menschen wirklich nahekommt, bleibt nicht unberührt. Leitung verlangt deshalb mehr als theologische Fachkenntnis. Sie braucht Selbstreflexion, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz. Gute Theologie bleibt die Grundlage. Aber sie muss in der Art sichtbar werden, wie wir Menschen zuhören, Konflikte bearbeiten und Verantwortung wahrnehmen.


Wenn die Gottesbeziehung zur Arbeitsbeziehung wird

Eine besondere Gefahr entsteht, wenn ausgerechnet die Beziehung zu Gott unbemerkt Teil der beruflichen Leistung wird. Pastoren lesen die Bibel und denken bereits an die nächste Predigt. Sie beten und gehen dabei innerlich die Aufgaben der Woche durch. Sie suchen Gott, haben aber gleichzeitig den nächsten Seelsorgefall oder die Entwicklung der Gemeinde im Kopf.

Marco nannte das eine Arbeitsbeziehung zu Gott.

Als junger Pastor saß er eines Tages im Gemeindesaal unter einem Kreuz und betete. In der Hand hielt er seine lederne Agenda. Elektronische Kalender gab es damals noch nicht. Plötzlich fiel ihm die Agenda aus der Hand und rutschte genau in einen Spalt am Metallfuß des Kreuzes. Marco versuchte, sie wieder herauszuziehen. Doch sie saß fest.

In diesem Moment hörte er Gott beinahe akustisch sagen:

„Lass die Agenda dort stecken.“

Dann wurde ihm etwas klar:

„Gott will meine Agenda nicht. Er will mich.“

Marco brach zusammen. Er hatte sich mit seinen Plänen, Aufgaben und seiner Hingabe vor Gott gesetzt. Doch Gott wollte nicht zuerst seine Leistung. Er wollte die Begegnung mit ihm.

Diese Geschichte ist bei mir hängen geblieben. Sie trifft eine Versuchung, die viele engagierte Christinnen und Christen kennen. Wir können so sehr für Gott arbeiten, dass kaum noch Raum bleibt, einfach bei ihm zu sein. Sogar Gebet und Bibellesen können zu Werkzeugen werden, mit denen wir den nächsten Auftrag erfüllen.

Gott interessiert sich für unseren Dienst. Aber er liebt uns nicht wegen unseres Dienstes. Wir dürfen vor ihm zuerst Kinder sein, bevor wir Mitarbeitende sind. Sein Wort darf zuerst uns selbst ansprechen, bevor wir überlegen, wie wir es an andere weitergeben. Und manchmal ist die geistlichste Entscheidung, die Agenda am Fuß des Kreuzes stecken zu lassen.


Niemand hält allein durch

Marco sprach offen über den Burnout, den er am Anfang seines Dienstes erlebte. Er hatte mit voller Kraft gearbeitet und versucht, eine Gemeinde mit ähnlichen Mitteln zu führen wie zuvor ein Team in der Industrie. Doch eine Gemeinde funktioniert anders. Ehrenamtliche Mitarbeitende lassen sich nicht über Position, Lohn oder Anstellung führen. Sie müssen gewonnen, begleitet und befähigt werden.

Marco investierte immer mehr Kraft und war schließlich ausgebrannt. In dieser Zeit konnte er zeitweise nicht einmal mehr beten. Andere übernahmen das für ihn. Freunde sprachen ihm seine Berufung zu, als er selbst sie kaum noch greifen konnte. Menschen nahmen ihm Aufgaben ab. Seine Frau ging mit ihm durch die dunkle Zeit. Seine Familie und wenige enge Freunde trugen ihn, ohne dass er etwas leisten musste.

Das ist für mich eine der stärksten Einsichten aus unserem Gespräch: Niemand hält allein durch.

Gerade Menschen in geistlicher Verantwortung werden oft über ihre Funktion wahrgenommen. Ich kenne das aus meiner eigenen Zeit als Pastor. Selbst auf einer Geburtstagsfeier war ich nie einfach Daniel. Ich blieb der Pastor. Umso wichtiger sind Beziehungen zu Menschen, die nicht in erster Linie eine Funktion sehen. Menschen, die mit mir feiern und weinen, weil ich Daniel bin, nicht weil ich eine bestimmte Aufgabe erfülle.

Solche Beziehungen entstehen nicht automatisch in der Krise. Marco setzte deshalb ein deutliches Ausrufezeichen: Sorge vorher dafür, dass es ein Umfeld gibt, das dich auffangen und mittragen kann.

Freundschaften brauchen Zeit, Ehrlichkeit und Pflege. Im pastoralen Dienst ist das nicht immer leicht. Nicht jede persönliche Not gehört auf die Kanzel, und niemand kann mit allen Menschen dieselbe Nähe leben. Aber jede Leiterin und jeder Leiter braucht einige wenige Beziehungen, in denen keine Rolle gespielt werden muss.


Achte auf dich selbst

Am Ende unseres Gesprächs fragte ich Marco, was er seinem jüngeren Ich gerne gesagt hätte. Seine Antwort kam aus Apostelgeschichte 20,28:

„Achte auf dich selbst und auf die Herde.“

Marco kannte diesen Satz schon früh. Ernst genommen hatte er vor allem den zweiten Teil. Er wollte der Gemeinde dienen, Menschen begleiten und Verantwortung übernehmen. Den ersten Teil hatte er überhört: Achte auf dich selbst.

Selbstfürsorge ist kein Gegensatz zur Hingabe. Sie gehört zu verantwortlicher Leiterschaft. Gott sorgt für uns. Zugleich traut er uns Verantwortung für das eigene Leben, unsere Entscheidungen und unsere Grenzen zu. Marco formulierte es sehr direkt:

„Wenn du dein Leben nicht leiten kannst, kannst du andere nicht leiten oder nur schwer leiten.“

Heute geht Marco schrittweise auf seine Pensionierung zu und gibt Aufgaben ab. Damit stellt sich eine neue Frage: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Präsident der Schweizerischen Pfingstmission bin, nicht mehr als Pastor im Dienst stehe und keine Gemeinde mehr leite?

Seine Antwort fasst für mich das ganze Gespräch zusammen:

„Mach deine Beziehung zu Gott nicht zu deinem Beruf.“

Unsere Aufgaben verändern sich. Bühnen werden anderen anvertraut. Titel verschwinden. Die Beziehung zu Gott aber bleibt. Sie ist nicht der Inhalt unseres Berufs, sondern der Grund unseres Lebens. Gott will uns, unabhängig davon, welche Funktion wir gerade tragen.


Die Bühne gehört nicht uns

Zum Schluss kamen wir noch einmal auf die Verkündigung zurück. Eine Bühne kann Freude machen. Es ist schön, wenn eine Predigt gelingt und Menschen dankbar reagieren. Marco wehrte sich deshalb gegen eine falsche Bescheidenheit. Wir dürfen uns über das freuen, was Gott durch uns tut.

Doch Freude kann in Überheblichkeit kippen. Wer erlebt, dass ihm viele Menschen aufmerksam zuhören, kann sich leicht für unentbehrlich halten. Deshalb braucht es Freunde, die ehrlich sind. Vor allem braucht es die Erinnerung, wem die Bühne gehört.

Marco sagte, das Schönste sei für ihn nicht, wenn jemand nach einer Predigt sagt: „Du hast gut gepredigt.“ Das freue ihn natürlich auch. Noch schöner sei aber der Satz: „Gott hat zu mir gesprochen.“ Dann tritt der Prediger aus dem Mittelpunkt, und Gott erhält den ersten Platz.

Genau das wünsche ich mir für die nächste Generation, die Celina in unserem Gespräch repräsentierte. Ich wünsche mir Leiterinnen und Leiter, die ihre Berufung ernst nehmen, ohne daraus einen Karriereplan zu machen. Menschen, die Beziehungen wagen und zugleich lernen, auf sich selbst zu achten. Menschen, die sich tragen lassen, wenn sie selbst nicht mehr beten können. Und Menschen, die vor der Bühne ins Gebet gehen, weil sie wissen, was für eine Ehre es ist, dort zu stehen.

Nicht zur Ehre der Menschen, sondern zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen.

Vielleicht besteht geistliche Reife am Ende nicht darin, immer mehr für Gott zu schaffen. Vielleicht zeigt sie sich darin, dass wir nach vielen Jahren noch wissen, wer wir ohne unsere Aufgaben sind. Dass unsere Gottesbeziehung keine Arbeitsbeziehung geworden ist. Dass wir unsere Agenda loslassen können und neu hören:

Gott will nicht zuerst, was du für ihn tust. Er will dich.

 

Die ganze Folge ansehen

Das vollständige Herzgespräch mit Marco Hoffmann und Co-Host Celina Thöny erscheint demnächst auf YouTube. Der Link zur Folge ist bereits vorbereitet: Zum Video

 

 

      Blogartikel
     von Daniel Janzen





Berufung klären und Theologie studieren bei IGW

Du spürst, dass Gott dich ruft, weißt aber noch nicht genau, wohin der Weg führt? Bei IGW begleiten wir dich dabei, deiner Berufung nachzugehen und dich theologisch wie persönlich auf den Dienst im Reich Gottes vorzubereiten.

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Das höchste Ziel eines Theologiestudiums: Warum mehr Wissen über Gott nicht automatisch zu einem reiferen Glauben führt

Ein Theologiestudium kann unseren Glauben vertiefen. Es kann uns aber auch dazu verleiten, Erkenntnis mit geistlicher Reife zu verwechseln. Entscheidend ist, ob das, was wir lernen, uns tiefer in die Liebe zu Gott und zu den Menschen führt.


Kann theologisches Wissen uns von Gott entfernen?

Kann man nach einem Theologiestudium mehr über Gott wissen und ihn trotzdem weniger lieben? Die Frage ist unbequem, aber notwendig. Man kann biblische Sprachen lernen, theologische Positionen unterscheiden und überzeugend argumentieren. Doch all das garantiert noch nicht, dass das eigene Herz weicher, der Charakter reifer oder die Beziehung zu Gott tiefer geworden ist.

Paulus bringt diese Spannung in einem kurzen Satz auf den Punkt: «Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber baut auf» (1. Korinther 8,1). Damit wertet er Erkenntnis nicht ab. Im selben Brief ringt er sorgfältig um Wahrheit, Lehre und angemessenes Handeln. Er warnt jedoch vor einem Wissen, das sich selbst genügt. Erkenntnis kann dem Leben dienen. Sie kann aber auch zum Mittel werden, mit dem wir uns anderen überlegen fühlen, Diskussionen gewinnen oder uns der persönlichen Begegnung mit Gott entziehen.

Auch Jesus spricht diese Gefahr an. Zu Menschen, die die Schriften gründlich erforschen, sagt er: Die Schriften zeugen von ihm, und doch wollen sie nicht zu ihm kommen, um Leben zu haben (Johannes 5,39–40). Man kann sich also intensiv mit der Bibel beschäftigen und dennoch an dem vorbeigehen, auf den sie hinweist. Das Problem liegt nicht in der gründlichen Beschäftigung mit der Schrift. Es entsteht dort, wo Wissen die Begegnung ersetzt.


Das Ziel der Theologie: Gott erkennen und lieben

Christliche Theologie behandelt Gott nicht wie irgendeinen Gegenstand, den wir aus sicherer Distanz untersuchen könnten. Wir denken über den Gott nach, der uns geschaffen hat, sich uns mitgeteilt hat und uns in seine Nachfolge ruft. Darum bleibt theologisches Nachdenken nie rein neutral. Es fragt nach Wahrheit, aber diese Wahrheit will unser Leben in Anspruch nehmen.

 

Das höchste Ziel theologischer Bildung ist deshalb nicht, möglichst viel über Gott zu wissen. Es besteht darin, Gott immer wahrhaftiger zu erkennen, ihn von ganzem Herzen zu lieben und aus dieser Liebe heraus zu leben.Wissen ist dafür nicht nebensächlich. Wir können keinen Gott lieben, den wir nur nach unseren eigenen Wünschen entwerfen. Die Liebe sucht Erkenntnis. Sie möchte wissen, wer Gott ist, wie er handelt und was ihm wichtig ist.

Doch auch das Umgekehrte gilt: Erkenntnis soll zur Liebe führen. Wenn wir die Heiligkeit Gottes besser verstehen, sollte das unsere Ehrfurcht vertiefen. Wenn wir seine Gnade klarer erkennen, sollte uns das dankbarer und barmherziger machen. Wenn wir die Hoffnung des Evangeliums erfassen, sollte sie unsere Angst relativieren und unseren Mut zum Handeln stärken. Gute Theologie endet nicht bei einer richtigen Aussage. Sie führt zu Anbetung, Vertrauen und Gehorsam.


Liebe ist mehr als ein Gefühl

Jesus fasst das höchste Gebot so zusammen: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand» (Matthäus 22,37). Auffällig ist, dass der Verstand ausdrücklich dazugehört. Denken und Lieben sind keine Gegensätze. Ein Glaube, der Gott liebt, will ihn auch verstehen.

Zugleich ist Liebe in der Bibel mehr als religiöse Begeisterung. Sie zeigt sich in Treue, Aufmerksamkeit, Vertrauen und Gehorsam. Darum kann ein Theologiestudium geistlich wertvoll sein, auch wenn nicht jede Lernphase emotional bewegend ist. Manches braucht Geduld. Manche Fragen verunsichern zunächst. Manche vertraute Überzeugung muss neu geprüft werden. Reifer Glaube hält diese Spannung aus, weil er Wahrheit nicht fürchtet und Gott auch dort vertraut, wo einfache Antworten nicht mehr tragen.

Ein gutes Theologiestudium produziert deshalb nicht ständig geistliche Hochgefühle. Es hilft, Wurzeln zu entwickeln. Es übt uns darin, sorgfältig zu lesen, ehrlich zu fragen, vorschnelle Gewissheiten loszulassen und dennoch an Gott festzuhalten. Auch das ist Ausdruck von Liebe.


Gottesliebe wird zur Nächstenliebe

Bei der Liebe zu Gott bleibt Jesus nicht stehen. Unmittelbar danach nennt er das zweite Gebot: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst» (Matthäus 22,39). Beide Gebote gehören zusammen. Gottesliebe, die nicht im Umgang mit Menschen sichtbar wird, bleibt unglaubwürdig.

 

Daran lässt sich auch die Qualität theologischer Bildung prüfen. Macht sie uns nur sprachfähiger, oder auch liebesfähiger? Lernen wir, andere Positionen schneller einzuordnen, oder lernen wir auch, den Menschen hinter einer Position wahrzunehmen? Werden wir schärfer in unseren Urteilen, aber ungeduldiger mit den Fragen und Brüchen anderer? Dann hat unser Wissen sein Ziel noch nicht erreicht.

Liebe bedeutet dabei nicht, Unterschiede kleinzureden oder Wahrheit beliebig werden zu lassen. Wir dürfen zu klaren theologischen Überzeugungen gelangen. Gerade wer von einer Wahrheit überzeugt ist, muss sie jedoch nicht mit Härte verteidigen. Geistliche Reife zeigt sich darin, Wahrheit und Demut, Klarheit und Geduld, Überzeugung und Lernbereitschaft miteinander zu verbinden.


Wenn Wissen Charakter und Handeln verändert

Theologische Bildung erreicht ihr Ziel dort, wo Erkenntnis den Charakter prägt und im Alltag Gestalt gewinnt. Dafür braucht es mehr als Vorlesungen und Bücher. Wissen muss im Gebet bewegt, in Gemeinschaft geprüft und in konkreter Verantwortung erprobt werden. Erst in der Praxis zeigt sich, ob eine Überzeugung trägt.

Hilfreiche Fragen auf diesem Weg sind:

  • Lasse ich mich von der Bibel noch korrigieren, oder suche ich vor allem Bestätigung für das, was ich bereits denke?
  • Bin ich durch mein theologisches Lernen demütiger und hörfähiger geworden?
  • Kann ich eigene Irrtümer eingestehen und um Vergebung bitten?
  • Wie begegne ich Menschen, die anders glauben, fragen oder leben als ich?
  • Führt mich meine Erkenntnis näher zu den Menschen, denen Gott seine Liebe zeigen möchte?


Diese Fragen lassen sich nicht mit einer Note beantworten. Und doch berühren sie den Kern theologischer Bildung. Ein Abschluss kann Fachwissen sichtbar machen. Ob dieses Wissen zu Weisheit geworden ist, zeigt sich in der Art, wie wir glauben, dienen, leiten und lieben.


Was das für ein Theologiestudium bei IGW bedeutet

Bei IGW sprechen wir deshalb von Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Der Kopf steht für gründliches theologisches Denken. Das Herz steht für Spiritualität, Charakter und die eigene Beziehung zu Gott. Die Hand steht für die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und das Gelernte in Gemeinde und Gesellschaft umzusetzen. Keine dieser Dimensionen genügt für sich allein.

Darum ist das Studium bei IGW dual aufgebaut. Theologische Reflexion und verantwortliche Mitarbeit in einer lokalen Gemeinde oder einem christlichen Werk gehören zusammen. Erfahrungen aus der Praxis werden im Studium reflektiert. Erkenntnisse aus dem Studium müssen sich wiederum in der Praxis bewähren. Persönliche Begleitung und ehrliches Feedback helfen dabei, nicht nur Kompetenzen zu entwickeln, sondern auch als Mensch und als Nachfolgerin oder Nachfolger Jesu zu reifen.

Das bedeutet nicht, dass ein Studium geistliche Reife automatisch hervorbringt. Bildung kann Räume öffnen, Fragen schärfen und Entwicklung fördern. Durch diese Räume hindurchgehen muss jeder Mensch selbst, in der Bereitschaft, sich von Gott ansprechen und verändern zu lassen.


Das höchste Ziel

Am Ende ist das höchste Ziel eines Theologiestudiums weder ein Titel noch eine berufliche Position. Es ist auch nicht erreicht, sobald wir in allen wichtigen Fragen die vermeintlich richtige Antwort geben können. Theologische Bildung erfüllt ihren Sinn, wenn wir Gott wahrhaftiger erkennen, ihn tiefer lieben und aus dieser Liebe heraus den Menschen dienen.

Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage nach einer Vorlesung, einem Buch oder sogar nach einem ganzen Studium nicht nur: Was weiss ich jetzt? Ebenso wichtig ist: Wer werde ich durch das, was ich gelernt habe? Wächst meine Liebe zu Gott? Wächst meine Liebe zu den Menschen? Wo beides geschieht, wird Erkenntnis zur Weisheit und Theologie zu gelebtem Glauben.


Dein nächster Schritt

Fragst du dich, ob ein Theologiestudium zu deiner Berufung und deiner aktuellen Lebenssituation passt? In einem unverbindlichen Beratungsgespräch kannst du deine Fragen klären und herausfinden, welcher Weg für dich sinnvoll sein könnte.

Beratungstermin bei IGW vereinbaren

Wo du mitarbeitest, prägt, wer du wirst: Was einen guten Praxisort im IGW-Studium ausmacht

Ein guter Praxisort gibt dir nicht nur Aufgaben. Er hilft dir, Verantwortung zu übernehmen, Erfahrungen auszuwerten und als Person zu wachsen. Dafür braucht es keine aufwendige Zusatzstruktur, sondern vor allem das, was gute Mitarbeiterführung ohnehin ausmacht.


Praxisstunden allein bilden noch nicht aus

Wer Theologie studiert, lernt nicht nur durch Bücher, Vorlesungen und Prüfungen. Leitung, Kommunikation, Seelsorge und geistliche Verantwortung entstehen im wirklichen Leben. Deshalb gehört die Praxis fest zum IGW-Studium. Studierende arbeiten während ihrer Ausbildung in einer Gemeinde, einem Werk oder einer anderen geeigneten Organisation mit. Dort können sie ausprobieren, was sie im Studium lernen, und mit neuen Fragen wieder ins Studium zurückkehren.

Doch Praxis allein bildet noch nicht automatisch aus. Man kann über Jahre viele Stunden leisten und trotzdem wenig lernen. Erfahrung wird erst dann zur Ausbildung, wenn sie bewusst wahrgenommen, ausgewertet und mit ehrlichem Feedback verbunden wird. Genau hier liegt die Aufgabe der Praxisbegleitung.

Ein Praxisort ist deshalb nicht einfach der Ort, an dem du deine vorgeschriebenen Stunden sammelst. Er prägt, wie du mit Menschen umgehst, wie du Verantwortung verstehst, wie du auf Fehler reagierst und welches Bild von geistlicher Leitung in dir wächst. Wo du mitarbeitest, prägt, wer du wirst.


Ein Praxisort ist ein Ausbildungsort

Ein guter Praxisort braucht sinnvolle Aufgaben. Aber er braucht noch mehr: Menschen, die deine Entwicklung sehen und mit dir darüber sprechen. Du solltest nicht nur gebraucht, sondern auch ausgebildet werden. Das bedeutet nicht, dass sich ständig alles um dich drehen muss. Es bedeutet, dass deine Mitarbeit in einen Lernprozess eingebettet ist.

Am IGW orientieren wir uns an sechs Kompetenzbereichen: Wahrnehmen, theologisch reflektieren, Kommunizieren, Führen, Selbstkompetenz und Spiritualität. Ein guter Praxisort eröffnet dir Lernfelder in möglichst allen aber zumindest mehreren dieser Bereiche. Du darfst eine Predigt/Input/Andacht vorbereiten oder ein Team leiten. Du lernst aber ebenso, Situationen sorgfältig wahrzunehmen, Entscheidungen theologisch zu prüfen, mit Kritik umzugehen und auf deine eigene Seele zu achten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Welche Aufgaben darf ich übernehmen? Frage auch: Wer hilft mir, aus diesen Aufgaben zu lernen?


Woran du einen guten Praxisort erkennst

Kein Praxisort ist perfekt. Auch eine gute Gemeinde kennt Stress, Konflikte und unfertige Prozesse. Entscheidend ist nicht, ob alles reibungslos läuft, sondern wie mit Menschen und Lernprozessen umgegangen wird. Folgende Merkmale sind besonders wichtig:

  1. Du erhältst echte Verantwortung. Du darfst nicht nur zuschauen oder Hilfsarbeiten erledigen. Deine Aufgaben sind real, überschaubar und wachsen mit deinen Fähigkeiten.
  2. Deine Aufgaben dienen auch deinem Lernen. Nicht jede Tätigkeit muss spannend sein. Insgesamt sollte aber erkennbar sein, welche Kompetenzen du entwickelst und welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sind.
  3. Du bekommst Einblick in Leitungsprozesse. Du erlebst nicht nur fertige Entscheidungen, sondern lernst, wie Situationen beurteilt, Spannungen ausgehalten und Entscheidungen verantwortet werden.
  4. Feedback gehört zur Kultur. Rückmeldungen kommen nicht erst, wenn etwas schiefgeht. Gute Arbeit wird benannt, schwierige Punkte werden ehrlich angesprochen und Kritik dient deiner Entwicklung.
  5. Fehler dürfen ausgewertet werden. Ein Ausbildungsort erwartet Verlässlichkeit, aber keine Fehlerlosigkeit. Entscheidend ist, ob du offen über Misslungenes sprechen und daraus lernen kannst. Man lernt nicht automatisch durch Erfahrung sondern nur durch reflektierte Erfahrung.
  6. Deine Grenzen werden respektiert. Studium, Praxis, Familie, Beruf und Erholung müssen langfristig zusammenpassen. Freie Zeiten und ein angemessener Ausgleich nach intensiven Einsätzen sind kein Luxus, sondern Teil gesunder Ausbildung.



Welche Warnzeichen du ernst nehmen solltest

Manchmal zeigt sich erst nach einigen Monaten, dass ein Praxisort zwar viele Einsatzmöglichkeiten bietet, aber wenig Ausbildung. Einzelne schwierige Wochen sind noch kein Grund, den Platz infrage zu stellen. Wenn sich bestimmte Muster jedoch dauerhaft wiederholen, solltest du das Gespräch suchen und bei Bedarf deine Studienleitung einbeziehen.

  1. Gespräche fallen regelmäßig aus. Wenn Praxisbegleitung immer hinter den dringenden Aufgaben zurückstehen muss, fehlt ein wesentlicher Teil des Ausbildungsauftrags.
  2. Du wirst vor allem als günstige Arbeitskraft gesehen. Dein Wert wird daran gemessen, wie viele Lücken du füllst, während Lernziele und Entwicklung kaum eine Rolle spielen.
  3. Aufgaben und Erwartungen bleiben dauerhaft unklar. Du sollst Verantwortung tragen, weißt aber nicht, woran gute Arbeit gemessen wird oder wer Entscheidungen trifft.
  4. Rückmeldungen gibt es fast nur bei Fehlern. Korrektur ohne Beziehung und Ermutigung erzeugt Unsicherheit, aber selten nachhaltiges Wachstum.
  5. Kritische Fragen gelten als Illoyalität. Theologische und praktische Reflexion braucht einen Raum, in dem Fragen gestellt werden dürfen, ohne dass Zugehörigkeit oder Loyalität infrage gestellt werden. Gerade im Theologiestudium gehört es dazu mal
  6. Überlastung wird geistlich gerechtfertigt. Mehrarbeit, ständige Erreichbarkeit oder fehlender Ausgleich dürfen nicht mit Berufung oder Hingabe begründet werden.

Ein Warnzeichen bedeutet nicht automatisch, dass du den Praxisort wechseln musst. Viele Schwierigkeiten lassen sich klären, wenn Erwartungen ausgesprochen und Gespräche neu vereinbart werden. Entscheidend ist, ob die Verantwortlichen bereit sind, hinzusehen und etwas zu verändern.


Was gute Praxisbegleitung konkret bedeutet

Die Praxisbegleitung bei IGW ist bewusst überschaubar gehalten. Mindestens einmal im Monat findet ein Gespräch von etwa 60 bis 90 Minuten statt. Zu Beginn des Studienjahres werden Situation, Aufgaben und Entwicklungsschwerpunkte geklärt. Im Verlauf des Jahres werden ein bis drei konkrete Wachstumsziele vereinbart und regelmäßig überprüft. Am Ende steht eine gemeinsame Auswertung.

Diese Gespräche sind keine Kontrolle von oben. Sie helfen, aus dem Arbeitsalltag einen Lernprozess zu machen. Gute Praxisbegleitung hört zu, stellt Fragen, gibt Rückmeldung und verbindet konkrete Erfahrungen mit Persönlichkeit, Berufung und theologischer Reflexion.

  1. Wahrnehmen: Was ist seit dem letzten Gespräch geschehen? Was hat Freude gemacht, was Kraft gekostet und was irritiert?
  2. Auswerten: Was ist gelungen? Wo lagen Schwierigkeiten? Welche eigenen Muster oder blinden Flecken werden sichtbar?
  3. Einordnen: Welche theologischen Überzeugungen, Werte und Leitungsfragen berührt diese Erfahrung?
  4. Feedback geben: Was nimmt die Praxisbegleitung wahr? Welche Stärke sollte weiterentwickelt und welcher Punkt klar angesprochen werden?
  5. Nächste Schritte vereinbaren: Was soll bis zum nächsten Gespräch ausprobiert, verändert oder vertieft werden?


Nicht jedes Gespräch muss alle fünf Schritte gleich ausführlich behandeln. Wichtig ist die Kontinuität. Oft sind die unspektakulären monatlichen Gespräche im Rückblick prägender als ein einzelner großer Input.


Ist das nicht noch mehr Arbeit?

Viele Pastorinnen und Pastoren reagieren zunächst verständlich: Der Kalender ist bereits voll. Jetzt kommt neben Predigten, Sitzungen, Seelsorge und Teamleitung auch noch die Begleitung eines Studierenden hinzu. Diese Sorge sollte nicht kleingeredet werden. Der Einführungstag, die vereinbarten Ziele und einige formale Bestätigungen bedeuten einen gewissen zusätzlichen Aufwand.

Der administrative Zusatzaufwand bleibt jedoch überschaubar. Der Kern der Praxisbegleitung ist keine weitere Aufgabe neben guter Leitung. Er ist gute Leitung. Wer eine angehende Leitungsperson im eigenen Team hat, sollte sich ohnehin regelmäßig mit ihr treffen, Arbeit auswerten, Feedback geben, Erwartungen klären und nächste Entwicklungsschritte vereinbaren.

IGW verlangt also kein aufwendiges Ausbildungsprogramm, das zusätzlich zur Gemeindearbeit aufgebaut werden muss. Wir geben einem Führungsauftrag, der ohnehin besteht, einen verlässlichen Rhythmus und hilfreiche Instrumente. Im besten Fall finden sogar mehr Gespräche statt als das geforderte Minimum, weil Beziehung und Situation es nahelegen.


Gute Führung ist bereits Praxisbegleitung

Leitung wird leicht von dringenden Aufgaben bestimmt. Die nächste Predigt, eine offene Stelle, ein Konflikt oder ein Anlass verlangen sofort Aufmerksamkeit. Menschen zu entwickeln, wirkt dagegen selten dringend. Gerade deshalb wird es so leicht verschoben.

Doch wer Schlüsselpersonen nur einsetzt und nicht begleitet, spart kurzfristig Zeit und zahlt später oft einen hohen Preis. Unklare Erwartungen, vermeidbare Fehler, Überforderung und schwelende Konflikte kosten weit mehr Kraft als ein regelmäßiges Gespräch. Gute Mitarbeiterführung schafft Klarheit, stärkt Vertrauen und ermöglicht, dass Verantwortung gesund wächst.

Wenn für ein monatliches Entwicklungsgespräch mit einer angehenden Leitungsperson dauerhaft keine Zeit vorhanden ist, fehlt deshalb nicht nur Zeit für eine formale IGW-Anforderung. Dann lohnt sich die grundsätzliche Frage, welchen Stellenwert die Entwicklung von Mitarbeitenden in der eigenen Leitungspraxis besitzt. Menschen auszubilden ist keine Unterbrechung des Dienstes. Es ist ein zentraler Teil des Dienstes.


Fünf Fragen für Studierende

Bevor du dich für einen Praxisort entscheidest oder deine aktuelle Situation neu beurteilst, helfen dir diese Fragen:

  1. Gibt es eine geeignete Person, die meine Arbeit kennt und mich regelmäßig begleitet? Ein bekannter Name im Organigramm genügt nicht. Die Person braucht tatsächlichen Einblick und Zeit.
  2. Welche Verantwortung kann ich schrittweise übernehmen? Ein guter Praxisort kann konkrete Lernfelder benennen, ohne dich sofort zu überfordern.
  3. Wie wird hier Feedback gegeben und mit Fehlern umgegangen? Frage nach konkreten Beispielen, nicht nur nach allgemeinen Werten.
  4. Werden Studium, Erholung und persönliche Grenzen respektiert? Eine Ausbildung ist nur dann nachhaltig, wenn dein Lebensrhythmus langfristig tragfähig bleibt.
  5. Kann ich hier Fragen stellen und Beobachtungen offen ansprechen? Du brauchst einen Ort, an dem Reflexion erwünscht ist und nicht als mangelnde Loyalität verstanden wird.



Fünf Fragen für Praxisbegleitende

Auch Praxisbegleitende können mit wenigen Fragen prüfen, ob aus Mitarbeit wirklich Ausbildung wird:

  1. Weiss ich, woran die oder der Studierende gerade arbeitet? Begleitung braucht genügend Einblick in Aufgaben, Beziehungen und Herausforderungen.
  2. Haben unsere Gespräche einen festen Rhythmus? Was nur bei Gelegenheit stattfinden soll, fällt im Gemeindeleben fast immer aus.
  3. Gebe ich konkretes und ausgewogenes Feedback? Studierende müssen sowohl ihre Stärken als auch ihre Entwicklungsfelder erkennen können.
  4. Übertrage ich Verantwortung passend zur Entwicklung? Zu wenig Verantwortung verhindert Lernen. Zu viel Verantwortung kann Menschen und Gemeinden schädigen.
  5. Interessiere ich mich für die Person hinter der Leistung? Berufung, Charakter, Spiritualität und gesunde Grenzen gehören genauso zur Ausbildung wie sichtbare Ergebnisse.



Aus Mitarbeit wird Ausbildung

Ein guter Praxisort muss kein perfekter Ort sein. Er braucht auch kein ausgefeiltes internes Ausbildungsprogramm. Er braucht sinnvolle Lernfelder, eine gesunde Kultur und mindestens eine Person, die bereit ist, regelmäßig hinzusehen, zuzuhören und ehrliches Feedback zu geben.

Für Studierende bedeutet das: Wähle deinen Praxisort nicht nur danach aus, welche Aufgaben dich reizen oder welche Gemeinde bekannt ist. Achte darauf, ob du dort begleitet wirst und als Person wachsen kannst. Für Pastorinnen, Pastoren und andere Leitungspersonen bedeutet es: Praxisbegleitung ist keine lästige Zusatzpflicht. Sie gibt dem, was gute Führung ohnehin tun sollte, Verbindlichkeit und Richtung.

Das duale Studium lebt davon, dass Studium und Praxis einander befragen. Theologische Erkenntnisse sollen im wirklichen Leben erprobt werden. Erfahrungen aus der Praxis sollen reflektiert werden und das weitere Lernen prägen. Wo das geschieht, werden nicht nur Aufgaben erledigt. Menschen werden ausgebildet.


Der nächste Schritt

Studierende und Praxisbegleitende sollten zu Beginn des Studienjahres nicht nur Formulare ausfüllen. Klärt miteinander: Welche Verantwortung übernimmt die oder der Studierende? Wann findet das monatliche Gespräch statt? Woran soll in den nächsten Monaten bewusst gearbeitet werden? Und woran werden beide merken, dass Entwicklung geschieht? Die aktuellen Richtlinien und Instrumente von IGW geben dafür den verbindlichen Rahmen.


 
       Blogartikel
      von Daniel Janzen

Theologie im Fernstudium: 7 Gewohnheiten, die dich wirklich durchs Studium tragen

Wie du Studium, Gemeinde, Beruf, Familie und geistliches Leben in einen tragfähigen Rhythmus bringst

Das IGW Fernstudium ermöglicht dir, Theologie dort zu studieren, wo dein Leben und deine Gemeindepraxis bereits stattfinden. Diese Freiheit ist eine grosse Stärke. Sie trägt dich aber nur dann, wenn aus vielen Möglichkeiten ein verlässlicher Rhythmus wird.

Ein Fernstudium klingt zunächst einfach: Lernvideos ansehen, Aufgaben bearbeiten und die Studienzeiten flexibel in die Woche legen. Doch gerade diese Freiheit ist anspruchsvoll. Es gibt keinen Campusalltag, der automatisch vorgibt, wann du lernst, mit wem du dich austauschst und wo das Studium seinen Platz bekommt. Gleichzeitig laufen Beruf, Familie, Gemeinde, Freundschaften und Erholung weiter.

Deshalb gelingt ein theologisches Fernstudium nicht in erster Linie durch immer mehr Selbstdisziplin. Es braucht einen Lebensrhythmus, der auch in einer anstrengenden Woche trägt. Die folgenden sieben Gewohnheiten helfen dir dabei. Sie sind zugleich ein realistischer Selbstcheck, wenn du noch überlegst, ob das IGW Fernstudium zu dir passt.


Passt das IGW Fernstudium zu dir?

Das Fernstudium ist besonders passend, wenn du räumlich flexibel bleiben und in deinem bisherigen Umfeld verwurzelt bleiben möchtest. Bevor du dich entscheidest, solltest du fünf Fragen ehrlich beantworten:

  • Kann ich (normalerweise jede Woche) verlässliche Studienzeiten schützen, auch wenn Beruf und Gemeinde viel fordern?
  • Lerne ich gerne selbstständig mit Lernvideos, Literatur und schriftlichen Aufgaben?
  • Habe ich einen geeigneten Praxisort, an dem ich Verantwortung übernehmen, Feedback erhalten und mich entwickeln kann?
  • Tragen meine Familie oder mein soziales Umfeld, den geplanten Rhythmus mit?
  • Bin ich bereit, Unterstützung zu suchen, statt Schwierigkeiten lange allein zu tragen?


Wenn du bei mehreren Fragen zögerst, muss das kein Nein zum Studium sein. Es zeigt dir aber, was du vor dem Start klären solltest. Vielleicht brauchst du einen besseren Praxisort, verbindlichere Absprachen oder ein anderes Studientempo. Ein Fernstudium ist nicht die leichtere Form des Studierens. Es kann jedoch genau die richtige Form sein, wenn du mitten in deinem bisherigen Leben theologisch wachsen möchtest.


1. Plane eine reale Woche, keine ideale Woche

Viele Studienpläne scheitern nicht an mangelndem Willen, sondern an einer unrealistischen Woche. Auf dem Papier beginnt das Studium früh am Morgen, die Arbeit endet pünktlich und am Wochenende bleibt noch viel Energie. Im wirklichen Leben wird ein Kind krank, ein Gespräch in der Gemeinde dauert länger oder nach einem intensiven Arbeitstag ist die Konzentration begrenzt.

Beginne deine Planung deshalb mit dem, was bereits feststeht: Arbeitszeiten, Familie, Gemeinde, Schlaf, und Erholung. Trage erst danach die Studienzeiten ein. Je nach gewähltem Tempo ist der Aufwand sehr unterschiedlich. Beim Teilzeitstudium nennt IGW als Beispiel rund zehn Stunden Theorie und fünf Stunden Praxis pro Woche. Im Vollzeitstudium sind es drei Theorietage und etwa zehn Stunden Praxis. Diese Zeit muss in deiner tatsächlichen Woche vorkommen und darf nicht nur aus den Resten bestehen.

  • Plane feste Lernblöcke von 60 bis 120 Minuten statt einer vagen Absicht, irgendwann zu studieren.
  • Belege höchstens etwa 80 Prozent deiner verfügbaren Studienzeit. Der Rest ist Puffer für unerwartete Aufgaben.
  • Besprich den Rhythmus vor dem Start mit deiner Familie, deinem Arbeitgeber und deinem Praxispartner.


Ein guter Wochenplan ist kein Beweis, dass du alles im Griff hast. Er ist eine gemeinsame Vereinbarung darüber, wann das Studium Raum bekommt und wann bewusst nicht.


2. Entwickle ein verlässliches Startritual

Ein fester Lernort ist hilfreich, aber noch wichtiger ist ein wiederholbarer Anfang. Wenn du jedes Mal neu entscheiden musst, wo du arbeitest, womit du beginnst und ob du vorher noch Nachrichten beantwortest, verbrauchst du Energie, bevor du überhaupt gelernt hast.

Entwickle deshalb ein kurzes Startritual: Arbeitsplatz vorbereiten, Telefon stumm schalten, Lernplattform öffnen, Ziel des Lernblocks notieren und beginnen. Am Ende hältst du in zwei Sätzen fest, was du gelernt hast und wo du beim nächsten Mal weiterarbeitest. So wird der Einstieg leichter.

Dein Lernort muss nicht perfekt sein. Er sollte aber zuverlässig funktionieren. Gute Beleuchtung, ein ergonomischer Arbeitsplatz, Kopfhörer und griffbereite Materialien helfen mehr als ein besonders schönes Arbeitszimmer, das du selten nutzen kannst.


3. Lerne aktiv, statt Inhalte nur anzusehen

Lernvideos vermitteln schnell das Gefühl, etwas verstanden zu haben. Wirklich gelernt ist ein theologischer Gedanke aber erst dann, wenn du ihn in eigenen Worten erklären, kritisch prüfen und mit anderen Fragen verbinden kannst.

Ein einfacher Lernzyklus besteht aus vier Schritten:

  1. Aufnehmen: Schau ein Lernvideo mit einer klaren Frage und notiere nicht alles, sondern die zentralen Gedanken.
  2. Wiedergeben: Formuliere nach der Einheit die Hauptaussage ohne Unterlagen in drei bis fünf Sätzen.
  3. Prüfen: Frage, welche biblischen Texte, Argumente und Voraussetzungen die Position tragen und welche Einwände möglich sind.
  4. Verbinden: Überlege, wo der Gedanke deinen Glauben, deine Gemeinde oder eine konkrete Aufgabe berührt.


Besonders wirksam ist es, eine neue Einsicht jemand anderem zu erklären. Im Gespräch merkst du schnell, ob du nur Begriffe wiederholen kannst oder den Gedanken tatsächlich verstanden hast.


4. Lass Studium und Gemeindepraxis miteinander sprechen

Auch das Fernstudium bei IGW bleibt ein duales Studium. Dein Praxisort ist nicht bloß der Bereich, der neben dem Studium zusätzlich Zeit beansprucht. Er ist ein zentraler Lernort. Dort begegnest du Menschen, Konflikten, Hoffnungen und Grenzen, die keine Musterlösung kennen.

Nimm deshalb Fragen aus deiner Praxis mit ins Studium. Wenn du dich mit Leitung beschäftigst, beobachte einen realen Entscheidungsprozess. Wenn du Homiletik studierst, bitte nach einer Predigt gezielt um Feedback. Wenn du Ekklesiologie bearbeitest, frage, welches Gemeindeverständnis in euren Strukturen sichtbar wird. Und wenn ein theologischer Gedanke dich begeistert, prüfe gemeinsam mit deiner Praxisbegleitung, was er für euren Kontext bedeutet.

Nicht jede neue Einsicht muss sofort zu einem neuen Projekt werden. Manchmal besteht der wichtigste Praxistransfer darin, genauer wahrzunehmen, bessere Fragen zu stellen oder eine bisher selbstverständliche Vorgehensweise theologisch zu überprüfen.


5. Studiere selbstständig, aber nicht allein

Standortunabhängig zu studieren, bedeutet nicht, auf Beziehungen zu verzichten. Gerade weil Begegnungen nicht automatisch im Flur oder in der Mensa entstehen, musst du sie bewusst gestalten. Baue dir am Anfang ein kleines Unterstützungsnetzwerk auf:

  • Studienleitung: Sie ist deine Ansprechperson für administrative, theologische und persönliche Fragen im Studienverlauf.
  • Praxisbegleitung: Sie hilft dir, Erfahrungen auszuwerten, Feedback anzunehmen und nächste Entwicklungsschritte zu bestimmen.
  • Mitstudierende: Ein regelmäßiges Gespräch oder eine kleine Lerngruppe schafft Verbindlichkeit und öffnet neue Perspektiven. Möglichkeiten dazu findest du auf unser Lernplattform.
  • Persönliches Umfeld: Familie und enge Freundinnen oder Freunde sollten nicht nur wissen, dass du studierst. Lade sie aktiv dazu ein nachzufragen, wie es dir dabei geht.


Du musst nicht für jedes Modul eine neue Gruppe gründen. Oft genügt ein verlässlicher Termin alle zwei Wochen, an dem ihr offene Fragen besprecht, einander Inhalte erklärt und ehrlich sagt, wo ihr feststeckt.


6. Schütze deine Beziehung zu Gott

Ein theologisches Studium kann den Glauben vertiefen. Es kann aber auch dazu führen, dass Bibeltexte fast nur noch als Material für Aufgaben erscheinen. Dann liest du viel über Gebet, Gemeinde oder Nachfolge, ohne selbst zur Ruhe zu kommen, zu beten oder dich von einem Text ansprechen zu lassen.

Halte deshalb Räume frei, in denen du Gott nicht zum Gegenstand einer Studienleistung machst. Lies die Bibel auch ohne Exegeseauftrag. Bete, ohne daraus eine Reflexion schreiben zu müssen. Feiere Gottesdienst, ohne gleichzeitig jede Aussage fachlich zu bewerten. Das ist keine Flucht vor dem Denken. Es erinnert dich daran, warum du überhaupt Theologie studierst.

Gleichzeitig darf das Studium Fragen auslösen. Wenn vertraute Antworten nicht mehr tragen, ist das nicht automatisch ein geistliches Versagen. Sprich darüber mit Menschen, die dich geistlich und theologisch begleiten können. Reife entsteht nicht dadurch, dass jede Spannung schnell verschwindet, sondern indem du lernst, ehrlich und vertrauensvoll mit ihr zu leben.


7. Reagiere früh, wenn dein Rhythmus nicht mehr trägt

Fast jede Studentin und jeder Student erlebt Phasen, in denen der ursprüngliche Plan nicht mehr funktioniert. Problematisch wird es nicht, weil eine Woche misslingt. Problematisch wird es, wenn Überlastung lange verborgen bleibt und aus einzelnen Rückständen ein dauernder Zustand wird.

Nimm Warnsignale ernst:

  • Du verschiebst mehrere Wochen hintereinander fast alle Studienzeiten.
  • Du arbeitest regelmäßig bis tief in die Nacht und verzichtest dauerhaft auf Erholung.
  • Familie, Beruf oder Gemeinde erleben das Studium nur noch als Belastung.
  • Du meidest die Lernplattform oder Nachrichten, weil du dich für Rückstände schämst.
  • Dein geistliches Leben und deine Beziehungen werden immer enger, obwohl dein theologisches Wissen wächst.


Melde dich in einer solchen Phase früh bei deiner Studienleitung. Vielleicht braucht es eine andere Wochenstruktur, weniger Module oder ein langsameres Tempo. IGW ermöglicht eine flexible Studiengestaltung. Auch zwischen Fernstudium und einem Studienstandort kann jährlich neu gewählt werden. Eine Anpassung ist nicht das Scheitern des Plans, sondern kann genau das sein, was ein langfristig gutes Studium möglich macht.


Deine ersten vier Wochen

Ein guter Studienstart muss nicht spektakulär sein. Entscheidend ist, dass du früh einen Rhythmus testest und nicht erst vor der ersten Abgabe herausfindest, ob er funktioniert.

Woche

Dein Fokus

1

Trage alle festen Verpflichtungen in einen Wochenplan ein. Lege reale Studienzeiten und einen Puffer fest.

2

Teste dein Startritual und deinen Lernort. Beobachte, zu welcher Tageszeit du konzentriert arbeiten kannst.

3

Vereinbare Gespräche mit deiner Studienleitung und Praxisbegleitung. Suche Kontakt zu Mitstudierenden.

4

Ziehe Bilanz: Was hat getragen, was war unrealistisch und welche Vereinbarung musst du anpassen?



Fernstudium heißt: Theologie mitten im Leben lernen

Das IGW Fernstudium nimmt dein bestehendes Leben ernst. Du musst deinen Wohnort, deine Gemeinde und deinen Beruf nicht verlassen, um Theologie zu studieren. Dafür musst du das Studium bewusst in dieses Leben integrieren. Freiheit wird dann nicht zur Beliebigkeit, sondern ermöglicht dir, Theorie, Praxis und persönliche Entwicklung eng miteinander zu verbinden.

Wenn du bereits gestartet bist, wähle nicht alle sieben Gewohnheiten gleichzeitig. Beginne mit der Stelle, an der dein Studienalltag am meisten Unterstützung braucht. Wenn du noch überlegst, bring deinen realen Wochenplan, deinen gewünschten Praxisort und deine offenen Fragen in ein Beratungsgespräch mit. So lässt sich besser klären, welches Tempo und welche Studienform zu dir passen.


Dein nächster Schritt

Du möchtest herausfinden, ob das IGW Fernstudium zu dir passt oder wie du deinen Studienstart gut gestaltest?

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Christus ist größer als unsere Gräben: Was ich von Andreas Boppart über ein weites Evangelium, geistliche Einheit und ein weiches Herz gelernt habe

Nach gut zwei Minuten hätten wir unser Gespräch eigentlich schon beenden können. Andreas Boppart – den fast alle nur Boppi nennen – hatte bereits gesagt, worauf es ihm ankommt: „Für mich geht es überhaupt nicht um Campus für Christus. Wenn, dann geht es um dieses Christus ganz hinten.“

Amen. Schlusswort. Podcast vorbei.

Natürlich haben wir trotzdem weitergeredet. Und das war gut so. Denn in diesem einen Satz steckte eine Frage, die mich seitdem beschäftigt: Was geschieht, wenn tatsächlich Christus in der Mitte steht und nicht unsere Organisation, unsere theologische Prägung oder das christliche Lager, zu dem wir uns zählen?

Ich glaube, dann wird das Evangelium weiter. Unser Herz wird demütiger. Und aus Steinen, mit denen wir einander bewerfen könnten, entstehen vielleicht wieder Brücken.


Ein Evangelium für das ganze Leben

Boppi spricht von einem „Erlösungsfeuerwerk“. Das klingt zunächst typisch nach ihm: bunt, leidenschaftlich und etwas größer als ein theologischer Fachbegriff. Aber dahinter steht eine ernste Beobachtung. Wir Christinnen und Christen haben das Evangelium manchmal so verkürzt, als bestünde es nur aus drei Schritten: Der Mensch ist schuldig, Christus vergibt und irgendwann geht es in den Himmel.

Das ist nicht falsch. Vergebung ist und bleibt ein unverzichtbarer Teil der guten Nachricht. Aber das Evangelium ist größer. Sünde betrifft nicht nur unsere persönliche Moral, sondern hat das ganze Leben beschädigt: unsere Beziehung zu Gott, zu uns selbst, zu anderen Menschen und zur Schöpfung. Deshalb umfasst auch Gottes Erlösung mehr als die Vergebung einzelner Verfehlungen. In Christus beginnt Gott, sein beschädigtes Schalom wiederherzustellen.

Boppi brachte es in unserem Gespräch auf einen Satz, der bei mir hängen geblieben ist:

„Wir sind nicht nur zum Frommsein erlöst oder zum Christsein erlöst oder für den Himmel erlöst. Wir sind zum Menschsein erlöst.“

Was das bedeutet, wurde an zwei völlig unterschiedlichen Orten sichtbar. Bei den Massai in Tansania unterstützte Campus für Christus den Bau eines Brunnens. Zuvor mussten Frauen täglich bis zu acht Stunden laufen, um Wasser zu holen. Das Leben bestand weitgehend aus der Sicherung des bloßen Überlebens. Durch den Brunnen erhielten rund tausend Menschen Zugang zu Wasser. Eine Frau sagte unter Tränen, sie könne sich nun zum ersten Mal in ihrem Leben waschen.

Auf Mallorca wiederum begegneten Mitarbeitende am Ballermann Menschen, die eigentlich nur feiern wollten und in einem Strandgottesdienst plötzlich entdeckten: Da ist ein Gott, der mich liebt. Manche von ihnen kehrten später selbst zurück, um anderen von diesem Gott zu erzählen.

Ein Brunnen in Tansania. Eine Gottesbegegnung am Ballermann. Beides kann Ausdruck der verändernden Kraft Christi sein. Wir können Brunnen graben, ohne Christus zu verkündigen. Und wir können Christus verkündigen, ohne die konkrete Not eines Menschen wahrzunehmen. Das Evangelium hält beides zusammen: die Einladung zur Versöhnung mit Gott und die Wiederherstellung menschlicher Würde. Wort und Tat. Verkündigung und Gerechtigkeit. Ewige Hoffnung und erfahrbare Veränderung im Hier und Jetzt.

Jesus selbst kündigt in der Synagoge von Nazareth ein solches Evangelium an. In den Worten aus Jesaja spricht er von guter Nachricht für die Armen, Freiheit für Gefangene und einem Jahr der Gnade. Das ist kein schmales Evangelium. Es ist eine gute Nachricht, die Schuld vergibt, Menschen aufrichtet und bereits heute Spuren des kommenden Reiches Gottes sichtbar macht.


Die Armut im eigenen Herzen

Doch Erlösung ist nicht nur etwas, das wir zu anderen Menschen bringen. Sie beginnt immer wieder bei uns selbst.

Eine der bewegendsten Geschichten unseres Gesprächs führte in einen Slum in Äthiopien. Boppi war dort für eine Leiterschaftsausbildung unterwegs. Zwischen all dem sichtbaren Leid nahm ein kleiner Junge namens Nathanael seine Hand und ließ sie nicht mehr los. Gemeinsam liefen sie durch den Slum: Nathanael mit seinem „großen weißen Bruder“, Boppi mit seinem kleinen neuen Freund.

Später, im Bus, drängte sich ihm eine Frage auf: Hätte Nathanael mehr aus Boppis Leben in der Schweiz gemacht, wenn ihre Lebensumstände vertauscht gewesen wären?

Diese Frage traf ihn tief. Eine Woche lang musste er immer wieder weinen. Er war nach Äthiopien gereist und hatte erwartet, dort die Armut anderer zu sehen. Doch in der Begegnung mit Nathanael erkannte er die Armut seines eigenen Herzens. Er kam nicht mehr als derjenige zurück, der für andere die Erlösung im Gepäck hatte. Er hatte verstanden: Auch ich brauche Erlösung. Auch mein Denken ist eng. Auch mein Herz muss von Gott erneuert werden.

Das ist vielleicht eine der größten Gefahren im christlichen Dienst: Wir sprechen von Transformation und denken zuerst an die Menschen, denen wir dienen. Wir reden von Berufung, Leitung und Mission und übersehen dabei, dass Christus auch uns selbst verändern will.

Christlicher Glaube ist nicht das Ankommen an einem Punkt, an dem alles geklärt ist. Boppi erinnerte im Gespräch an den Gedanken: Ein Christ ist im Werden, nicht im Gewordensein. Erlösung ist in Christus geschehen und zugleich zieht Christus ihre Wirklichkeit immer tiefer in unser Denken, Fühlen und Handeln hinein. Solche Veränderung geschieht oft nicht schlagartig. Sie wächst durch Begegnungen, durch heilige Momente und manchmal durch Fragen, die unsere vertrauten Sicherheiten erschüttern.


Staunen statt streiten

Wer die eigene Erlösungsbedürftigkeit kennt, kann anderen demütiger begegnen. Genau hier liegt für mich die Verbindung zwischen Boppis weitem Evangeliumsverständnis und seiner Leidenschaft für Einheit.

„Staunen statt streiten“ nennt er dieses Prinzip. Das bedeutet nicht, dass theologische Überzeugungen unwichtig wären. Es bedeutet auch nicht, Unterschiede zu verschweigen oder jede Position für gleichermaßen richtig zu erklären. Aber es verändert die erste Frage, mit der ich einem anderen Menschen begegne. Statt sofort zu prüfen, warum der andere falschliegt, kann ich fragen: Wo hast du Christus entdeckt? Was siehst du von ihm, das ich vielleicht noch nicht sehe?

Diese Haltung braucht Demut. Wir alle folgen demselben Christus und nehmen ihn doch aus unterschiedlichen Perspektiven wahr. Wir tragen Prägungen, Erfahrungen und blinde Flecken mit uns. Deshalb kann niemand Christus vollständig für das eigene Lager vereinnahmen.

Einheit entsteht auch nicht dadurch, dass alle dasselbe denken. Dann wäre sie kaum mehr als Uniformität. Christliche Einheit wird gerade dort sichtbar, wo Menschen trotz unterschiedlicher Überzeugungen sagen können: Ich teile deine Sicht nicht. Ich verstehe vielleicht nicht einmal, wie du zu ihr kommst. Aber ich glaube dir deinen Glauben an Christus – und ich bleibe dir als Schwester oder Bruder zugewandt.

Das ist anspruchsvoller als ein unverbindlicher Einheitsbrei. Es erlaubt uns, klar zu bleiben und trotzdem zugewandt zu streiten. Vor allem aber bewahrt es uns davor, unsere Kraft in innerchristlichen Grabenkämpfen zu verbrauchen, während die Welt darauf wartet, etwas von der Hoffnung Christi zu sehen.

Boppi hat dafür ein starkes Bild: „Ich benutze die Steine nicht zum Werfen, sondern um Brücken zu bauen.“ Wo andere Mauern errichten, möchte er Steine herauslösen und daraus Wege zueinander bauen. Nicht weil Unterschiede bedeutungslos wären, sondern weil er selbst über solche Brücken gegangen ist und Gott an Orten begegnet ist, an denen er ihn zuvor nicht erwartet hatte.

Vielleicht brauchen wir genau diese geistliche Neugier neu: das Vertrauen, dass Gott größer ist als unsere vertrauten Räume und dass wir etwas von ihm erkennen können, wenn wir einander erzählen, was wir an Christus entdeckt haben.


Die Kerze für das eigene Herz

Brücken zu bauen klingt schön. In der Realität kostet es Kraft. Wer sich nicht eindeutig einem Lager zuordnet, erhält Kritik von mehreren Seiten. Wer Verantwortung übernimmt, wird verletzt, missverstanden und manchmal auch zu Recht korrigiert. Mit der Zeit entsteht leicht eine innere Schutzschicht. Das Herz wird härter, die Liebe kleiner und die Leidenschaft leiser.

Im Gespräch erzählte Boppi von einem Mann, der während des Vietnamkriegs immer wieder mit einer Kerze vor dem Weißen Haus stand. Jemand fragte ihn, ob er wirklich glaube, diese kleine Kerze werde die Menschen dort drinnen verändern. Sinngemäß antwortete der Mann: Ich stehe nicht hier, um sie zu verändern. Ich stehe hier, damit ich mich nicht verändere.

Die Kerze ist damit nicht nur ein Protestzeichen. Sie steht für die Entscheidung, das eigene Herz nicht von Zynismus, Verletzungen und den Logiken des Streits bestimmen zu lassen. Boppi hält sie für die Hoffnung hoch, dass Frieden möglich ist vielleicht nicht sofort in der ganzen Welt, aber gemeinsam mit Christus wenigstens in der eigenen kleinen Welt.

Dieser Gedanke hat mich persönlich bewegt. Erfolg im geistlichen Dienst lässt sich leicht an Reichweite, Projekten oder Verantwortung messen. Aber was, wenn das eigentliche Ziel ein anderes ist? Was, wenn es am Ende darum geht, Christus nach vielen Jahren noch immer leidenschaftlich zu lieben und auch seine Gemeinde mit all ihren Fehlern nicht aufgegeben zu haben?

Boppi formulierte sein Lebensziel erstaunlich schlicht: Er möchte 90 Jahre alt werden und noch immer leidenschaftlich glauben und Jesus nachfolgen. Er möchte sein Herz bewahren und sich diese Liebe nicht rauben lassen.

Ich wünsche mir dasselbe. Wenn ich Boppi mit 70 oder 90 Jahren wieder begegne will ich feststellen: Unsere Kerzen brennen noch. Unsere Herzen sind weich geblieben. Unsere Liebe zu Christus ist tiefer geworden. Und die Steine, die uns das Leben in die Hand gedrückt hat, sind nicht zu Wurfgeschossen geworden, sondern zu Brücken.

Denn wenn Christus wirklich in der Mitte steht, müssen wir unsere Überzeugungen nicht aufgeben. Aber wir dürfen unsere Enge verlieren. Wir werden frei, das ganze Evangelium zu leben, die eigene Erlösungsbedürftigkeit anzuerkennen, über Gottes Wirken bei anderen zu staunen und unser Herz inmitten aller Konflikte weich zu halten.

Christus ist größer als unsere Organisationen. Größer als unsere theologischen Boxen. Und größer als die Gräben, die wir zwischen uns gezogen haben.

 

Die ganze Folge ansehen

Das vollständige Herzgespräch mit Andreas „Boppi“ Boppart findest du auf YouTube:
Christus zu den Menschen bringen



       Blogartikel
      Von Daniel Janzen 




Theologie studieren bei IGW

Im Gespräch macht Boppi Mut, Theologie fundiert zu studieren und sich gut auf den Dienst im Reich Gottes vorzubereiten. Bei IGW verbinden wir theologische Tiefe mit gelebter Praxis und bilden missionale Leiterinnen und Leiter aus.
Mehr über das Theologiestudium bei IGW erfahren

 

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Wie lange dauert ein Theologie Studium? Flexibel Theologie studieren bei IGW

Du denkst darüber nach, Theologie zu studieren und fragst dich, wie lange brauche ich dafür? Hier findest du alle Infos!

Bei IGW bestimmst du selbst das Tempo deiner Ausbildungsphase. Ob du ein intensives Studium in Vollzeit oder das Theologiestudium in Teilzeit neben deinem Beruf flexibel gestalten möchtest – wir bieten dir die Möglichkeiten, die in deine Welt passen. Wir bieten dir persönliche Beratung an, um dir alle Informationen zu geben und Laufbahn Pastor oder Pastorin einzuschlagen. Zusätzlich unterstützen wir dich bei deiner Bewerbung und begleiten dich durch den gesamten Zulassungsprozess.

Theologie studieren mit Flexibilität

Das Theologie Studium eröffnet dir die Möglichkeit, dich intensiv mit den großen Fragen des Lebens und des Glaubens auseinanderzusetzen. Es geht nicht darum, Religion zu studieren sondern Gott selbst. In Deutschland, Schweiz und Österreich bieten nicht viele Universitäten und Hochschulen ein Theologie Studium an, das sich flexibel an deine Lebensumstände anpassen lässt. Ob du dich für ein klassisches Vollzeitstudium, ein Teilzeitmodell oder ein Fernstudium entscheidest – die Möglichkeiten sind begrenzt. Besonders die praktische Theologie ist in vielen Studiengängen nicht sonderlich praktisch. Doch gerade sie soll es dir ermöglichen, sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Kompetenzen zu erwerben. Bei uns kannst du dein Studium individuell gestalten und auf deine persönlichen Fragen und Interessen eingehen, während du dich auf eine Tätigkeit im kirchlichen oder gesellschaftlichen Kontext vorbereitest.

Voraussetzungen für das Theologie Studium

Um ein Theologie Studium an einer Universität oder Hochschule aufnehmen zu können, benötigst du in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung, wie das Abitur oder eine vergleichbare Qualifikation. Einige Universitäten setzen zusätzlich eine Aufnahmeprüfung oder ein Eignungsgespräch voraus, um die Eignung für das Theologie Studium zu prüfen. Bei IGW legen wir großen Wert darauf jedem, der eine Berufung hat, eine Chance zu geben, sich zu qualifizieren. Wenn du also nicht die spezifischen Voraussetzungen des gewünschten Studiengangs und der jeweiligen Hochschule erfüllst kannst du auch ohne Abitur mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung dein Theologie Studium beginnen.

Neben den formalen Voraussetzungen spielen auch persönliche Eigenschaften eine wichtige Rolle: Der persönliche Glaube an Gott. Die Offenheit für neue Perspektiven, die Bereitschaft zur Reflexion, Empathie und ein ausgeprägtes Interesse an theologischen und gesellschaftlichen Fragen sind wertvolle Voraussetzungen, um im Theologie Studium erfolgreich zu sein.

Aufgeschlagene Bibel auf einem Tisch neben Kaffeetasse und digitaler Uhr – Symbol für Zeit und Fokus im Theologiestudium

Theologie studieren auf Bachelor-Level: Flexible Dauer je nach Lebenssituation

Das Bachelor-Studium der Theologie erstreckt sich in der Regel über sechs bis acht Semester, also drei bis vier Jahre. Je nach Lebenssituation und gewähltem Studienmodell kann die Studiendauer jedoch variieren.

IGW bietet auch Teilzeit- oder berufsbegleitende Studiengänge an, die es ermöglichen, das Studium mit einer beruflichen Tätigkeit oder familiären Verpflichtungen zu kombinieren. Dadurch verlängert sich die Studiendauer, aber du erhältst die Möglichkeit, Studium und Alltag optimal zu verbinden. Das Theologie Studium bietet dir somit die Möglichkeit, deinen eigenen Weg zu gestalten und dich gezielt auf deinen Wunschberuf vorzubereiten.

Theologie studieren auf Bachelor-Level: Flexible Dauer je nach Lebenssituation

Zunächst ein paar grundlegende Informationen zum Umfang des Studiums

Der Studiengang praktische Theologie umfasst 180 Credits. Das entspricht dem selben Umfang einer kirchlichen Hochschule oder staatlichen Universität. Ein Bachelor hat immer 180 Credits. (1 Credit steht für 25-30h akademische Arbeit)

Bei IGW verteilen sich die 180 Credits auf 140 Theorie Credits und 40 Praxis Credits. Letztere werden meist in einer Kirche im Rahmen eines Praktikums oder eine Anstellung erworben. Praxiszeit in einer Gemeinde sind während des Studiums verpflichtend und ermöglichen es den Studierenden, praktische Erfahrungen in verschiedenen kirchlichen oder sozialen Einrichtungen zu sammeln.

Um das Studium in Theologie abzuschließen müssen jew. diese Credits erreicht werden. Das Theologie Studium läßt sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit absolvieren. Das verändert aber nicht den Umfang des Studiums. Im Folgenden geht es die Frage der Studiendauer. Diese läßt sich dynamisch anpassen. Der Unterschied liegt in der Anzahl der Credits, die pro Semester abgeschlossen werden. Anders gesagt, wer mehr Zeit investiert wird schneller fertig.

4 Jahre – Die klassische Laufbahn

Das Theologie Studium auf Bachelor-Level dauert in der Regel vier Jahre (Regelstudienzeit). Diese Dauer basiert auf einem Modell, bei dem du etwa drei Tage pro Woche in die Theorie investierst und zwei Tage in die Praxis (Kirche). Dies ist ein ausgewogenes Tempo, das dir erlaubt, tief in die theologischen Studien einzutauchen und gleichzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Praxis (In der Regel das Praktikum) ist also fester Bestandteil im Studienverlauf.

Während des Studiums kannst du verschiedene Schwerpunkte setzen. Dafür steht dir ein breites Spektrum an Wahlkursen bei IGW und unseren Partner TSC zur Verfügung. Egal ob Gemeindebau, Leiterschaft oder Systematische Theologie. Du kannst dich nach deinen Interessen entfalten.

Person in Sportkleidung schaut auf ihre Armbanduhr – Symbol für Zeitplanung und Tempo im Theologiestudium

3 Jahre – Für die Schnellstarter

Wenn du die Möglichkeit hast, vier Tage pro Woche in die Theorie zu investieren, kannst du den Studiengang auf BA Level in der Regel auch in drei Jahren abschließen. Dies erfordert ein höheres Engagement, bietet dir jedoch die Chance, schneller vollzeitlich in deinen pastoralen oder kirchlichen Tätigkeit einzusteigen.

5 Jahre – Für die Gemütlichen

Vielleicht bist du bereits in einer Gemeinde 50% angestellt oder hast andere Verpflichtungen, die deine Zeit beanspruchen. Kein Problem! Bei IGW kannst du das Studium auf Bachelor-Level auch in fünf Jahren absolvieren, indem du etwa zwei Tage pro Woche in die Theorie investierst. Dies gibt dir die Flexibilität, deine Ausbildung mit den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in deinem Leben zu vereinbaren.

 

Inhalte und Fächer des Theologie Studiums

Das Theologie Studium ist breit gefächert und vermittelt dir fundierte Kenntnisse über Glaubensfragen und deren Bedeutung für die Gemeinde und Gesellschaft. Zu den klassischen Studienfächern gehören Bibelwissenschaften, Kirchengeschichte, systematische Theologie, praktische Theologie und Ethik. Darüber hinaus hast du die Möglichkeit, dich in Wahlfächern und Spezialisierungen weiterzubilden und eigene Schwerpunkte zu setzen. Im Verlauf des Studiums lernst du, theologische Texte kritisch zu analysieren, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, eigene Standpunkte zu entwickeln und das Gelernte in die Praxis zu übertragen. Die Inhalte des Theologie Studiums fördern nicht nur dein Wissen über Gott und die Welt, sondern auch deine analytischen Fähigkeiten und deine Kompetenz, theologische Fragestellungen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten zu reflektieren und anzuwenden.

Teilzeitstudium: Flexibilität für deinen Alltag

Du kannst das Theologiestudium bei IGW auch in Teilzeit absolvieren, egal ob im Fernstudium Theologie oder im Präsenzstudium. Hier studierst du in halber Geschwindigkeit, was etwa 10-12 Stunden pro Woche bedeutet. Du belegst dann nur die Hälfte der Kurse pro Jahr (16 Credits) und hast entsprechend nur die Hälfte der Studiengebühren.

Beachte aber, dass sich die Studiendauer entsprechend verlängert, da der Umfang des Theologie Studiums gleich bleibt – du wirst dann doppelt so lange studieren.

Theologie studieren in Teilzeit ist besonders beliebt bei Menschen, die bereits im Dienst sind und keinen schnellen Abschluss benötigen. Oftmals sind sie bereits in einer Tätigkeit als Pastor oder Pastorin im Beruf und das Studium ist damit als kontinuierliche Weiterbildung fester Bestandteil und Voraussetzung ihrer Arbeit. Wir haben viele Beispiele von Kirchen, die diese Art des Studiums schätzen.

Wenn du mehr Antworten über die finanziellen Aspekte eines Teilzeitstudiums erfahren möchtest, lies unseren Artikel Theologie studieren ohne finanzielle Sorgen.

Flexibilität während des Studiums

Ein weiterer Vorteil des Theologiestudiums bei IGW ist die Flexibilität, zwischen Vollzeit- und Teilzeitstudium zu wechseln. Deine Lebensumstände können sich ändern, und wir bieten dir die Möglichkeit, dein Studium daran anzupassen. Du kannst jederzeit dein Tempo anpassen und sicherstellen, dass dein Studium mit deinem Leben harmoniert.

Studium auf Master-Level: Vertiefung und Spezialisierung

Master of Advanced Studies (MAS)

Der MAS ist eine perfekte Möglichkeit, wenn du dein theologisches Wissen vertiefen und spezialisieren möchtest. Dieser Studiengang besteht aus 60 Credits und dauert in der Regel zwei Jahre, wenn du es nebenberuflich absolvierst. Aber auch hier bestimmst du das Tempo: Du kannst dir mehr Zeit nehmen, wenn es für dich besser passt.

Aufbau des MAS

Der Master of Advanced Studies besteht aus vier CAS (Certificate of Advanced Studies) und einer Masterarbeit. Jedes CAS umfasst vier Kurse zu je vier Credits, also insgesamt 12 Credits pro CAS. Dies Struktur ermöglicht es dir, dich Schritt für Schritt in spezifischen Bereichen der Theologie zu vertiefen und am Ende eine umfassende und spezialisierte Ausbildung zu erlangen.

Berufsaussichten

Mit einem Abschluss bei IGW in praktischer Theologie eröffnen sich dir vielfältige Möglichkeiten und Berufsaussichten. Viele Theologen und Theologinnen arbeiten als Pastor oder Pastorin in einer Freikirche und leisten dort einen wichtigen Beitrag zum Gemeindeleben. Auch in der Seelsorge, der Diakonie oder in der Bildungsarbeit sind Absolventen des Theologie Studiums gefragt. Darüber hinaus stehen dir weitere Berufsfelder offen, zum Beispiel als Jugendpastor oder in Missionswerken, oder sozialen Einrichtungen.

Warum IGW? Die wichtigsten Argumente

Luftaufnahme eines geschwungenen Holzwegs durch den Wald – Sinnbild für individuelle Wege und flexible Studiendauer im Theologiestudium

Dual: Mitten in der Praxis

Egal, wie lange du für dein Theologiestudium benötigst, die Inhalte bleiben immer gleich: Bei IGW lernst du nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Unser duales Studium Theologie ermöglicht es dir, deine Berufung bereits während des Studiums zu leben. Du bist in Gemeinden und christlichen Werken aktiv und sammelst wertvolle Berufserfahrung.

So hast du nach Abschluss deines Studiums nicht nur fundiertes Wissen, sondern auch praktische Kompetenzen und Erfahrungen, die dich für deinen geistlichen Dienst qualifizieren. Wissenschaft und Praxis gehören für uns zusammen. Jedes Studienfach soll ein Beitrag leisten für die Tätigkeit in einer Kirche. Das ist die Herausforderung die ein Studium praktische Theologie mitbringt. Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und sie für einen kirchlichen Beruf vorzubereiten ist unsere Leidenschaft.

Mehr über die Vorteile des dualen Studiums erfährst du in unserem Artikel Duales Studium Theologie: Warum die Kombination aus Theorie und Praxis deine beste Wahl ist.

Kompetenzorientiert

Wir bei IGW legen großen Wert darauf, dass du nicht nur Wissen ansammelst, sondern auch Kompetenzen entwickelst, die dich im Reich Gottes voranbringen. Dein Abschluss ist mehr als ein Stück Papier – er steht für deine Berufung, deinen Charakter, deine Spiritualität und deine Kompetenz.

Besonders im Bereich der praktischen Theologie ist dieser kompetenzorientierte Ansatz von unschätzbarem Wert. Du lernst nicht nur theoretische Konzepte, sondern wie du sie im Gemeindealltag anwenden kannst.

Neben unserem Schwerpunkt praktische Theologie beinhaltet unser Studiengang selbstverständlich auch andere Theologische Disziplinen. Z.B.

  • Systematische Theologie
  • Historische Theologie
  • Biblische Theologie

Fundiertes Wissen in jedem dieser Disziplinen der Theologie sind selbstverständlich eine Voraussetzung für jeden Theologen bzw. jeder Theologin. Das Theologie Studium von IGW ist bewusst nicht nach diesen Disziplinen der Theologie sortiert sondern nach den Kompetenzen, die es in der Praxis braucht. Jeder Studiengang folgt der Frage: Was muss ein Theologie oder eine Theologin können und nicht nur was muss er wissen. Auf diese Frage geben unsere Studienfächer eine Antwort.

Persönliche Begleitung

Während deines gesamten Theologiestudiums wirst du von erfahrenen Dozenten und Mentoren begleitet. Diese persönliche Unterstützung hilft dir in deiner Entwicklung. Persönliche Beratung ist ein Schlüssel um deine Ziele zu erreichen, deine Fragen zu klären und dich sowohl akademisch als auch persönlich weiterzuentwickeln. Lernbereitschaft ist daher eine wichtige Voraussetzung, wenn du Theologie studieren möchtest.

Akkreditiert und anerkannt

Unsere Studiengänge sind ECTE-akkreditiert und werden in jeder Freikirche geschätzt. Dies bedeutet, dass dein Abschluss national und international in der evangelikalen Welt anerkannt wird (allerdings nicht in einer staatlichen Kirche wie z.B. die evangelische Landeskirche).

Wenn du den Weg ins Pfarramt der evangelischen Landeskirche einschlagen möchtest solltest du Mit deiner Kirche Rücksprache halten. Hier kann ein Studium der evangelischen Theologie an eine staatlichen Hochschule oder an einer Universität Voraussetzung sein. Die Studiengänge evangelische Theologie der Universitäten bieten jedoch einige Nachteile für Theologen die für die Welt der Praxis ausgebildet werden möchten. Wir bieten dir eine persönliche Beratung an, um diese Fragen zu klären. Gerade im Umfeld der evangelischen Landeskirche gibt es Tätigkeiten im kirchlichen Kontext, die mehr Studienfächer aus dem Bereich der Religionspädagogik gefordert sind. Wer z.B. Religionslehrer werden möchte, wählt daher von den Weg über eine Universität.

Zudem sind unser Studiengang auf Bachelor Level in NRW Bafög-berechtigt, was dir finanzielle Unterstützung während deines Studiums ermöglicht. Hierbei ist der Studienort zu beachten. Studiernde in Deutschland, die in der Schweiz Theologie studieren möchten, können Auslands-BAföG erhalten.Gruppe junger Menschen wandert mit Rucksäcken durch eine sonnige Landschaft – Symbol für gemeinsames Aufbrechen im Theologiestudium bei IGW

Über 30 Jahre Erfahrung

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der theologischen Ausbildung weiß IGW, was es braucht, um Menschen auf ihrem Weg in den geistlichen Dienst zu begleiten. Diese Erfahrung fließt in unsere Studiengänge ein und macht uns zu einem verlässlichen Partner auf deinem Bildungsweg der Theologie. Als Alternative zu staatlichen Hochschulen oder Universitäten konzentrieren wir uns seit 30 Jahren darauf, ein Studium der praktischen Theologie zu konzipieren, dass den Anforderungen der Praxis standhält.

Dein Weg beginnt hier

Ob du ein Theologiestudium auf Bachelor-Level anstrebst, dich auf Master-Level weiterbilden möchtest oder als Quereinsteiger in den geistlichen Dienst wechseln willst – IGW bietet dir die Flexibilität, die du brauchst, und die Unterstützung, die du verdienst.

Wenn du mehr über die verschiedenen Studienoptionen bei IGW erfahren möchtest, empfehlen wir dir unseren Artikel Theologie studieren: Hochschule oder Bibelschule?.

Also, worauf wartest du noch? Mach den ersten Schritt und finde heraus, was IGW für dich bedeuten kann. Dein Abenteuer Theologie beginnt hier!

Erfahre mehr auf www.IGW.edu und melde dich noch heute für ein kostenloses Beratungsgespräch an! Gute Beratung ist ein Schlüssel zum Erfolg. Wir stehen dir gerne zu Seite.


 

Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe über theologische Ausbildungsmöglichkeiten. Entdecke auch unsere weiteren Artikel zu den Themen 10 überzeugende Gründe, warum du bei IGW Theologie studieren solltest und Pastor werden: Der komplette Karriereweg mit IGW.

 

 

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Theologie Studium ohne finanzielle Sorgen: 6 bewährte Finanzierungswege für dein Studium

Du möchtest gerne Theologie studieren, aber dein Kontostand schüttelt nur den Kopf? Du bist nicht allein! Viele angehende Theologiestudierende stehen vor derselben Herausforderung: Wie finanziere ich ein Theologiestudium? Keine Sorge, es gibt mehrere Möglichkeiten, wie du deinen Traum verwirklichen kannst, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. In diesem Artikel stellen wir dir sechs bewährte Wege vor, die dir helfen können, dein Studium der Theologie zu finanzieren.

Das Theologiestudium wird an verschiedenen theologischen Fakultäten an Universitäten und Hochschulen angeboten, die jeweils unterschiedliche Studiengänge mit eigenen Schwerpunkten und Inhalten bereithalten. Neben der evangelischen Theologie gibt es auch die katholische Theologie, die eigene spezifische Inhalte und Berufsperspektiven, etwa im Bereich der katholischen Kirche, bietet. Zu den möglichen Abschlüssen zählt neben Bachelor und Master auch der Magister Theologie, der nach einem längeren Studium erworben werden kann. Ein wichtiger Bestandteil vieler Studiengänge ist der Erwerb alter Sprachen wie Hebräisch und Griechisch, die für das Verständnis biblischer Texte wichtig sind. Die Religionslehre spielt sowohl als Studieninhalt als auch als berufliche Perspektive, etwa im Lehramt an Schulen, eine zentrale Rolle.

Interessiert sich jemand fürs Pfarramt in der evangelischen Kirche ist der Weg in die Landeskirche oft klarer vorgegeben. Ein Theologiestudent geht an die Universität oder an eine Hochschule mit staatlicher Förderung, macht seinen Abschluss in Theologie und wird Pfarrer.

Was aber wenn du Pastor oder Pastorin einer Freikirche werden möchtest oder nicht einverstanden bist mit der Theologie, die an Universitäten gelehrt wird? Dann ist in der Regel die Uni schnell aus dem Rennen oder der Pfarrberuf keine Option. Hier kommt IGW ins Spiel.

IGW bietet dir ein Studium in praktischer Theologie mit wissenschaftlichen Anspruch, praktischem Bezug zur realen Welt der Kirchen und Gemeinden und natürlich einem Fokus auf deine persönliche Entwicklung.

Hier 6 Wege ein Studium der Theologie zu finanziell möglich zu machen.

Gestapelte Centmünzen – Symbol für Studienfinanzierung

 

Einführung: Warum Theologie studieren?

Das Theologiestudium ist weit mehr als nur die Vorbereitung auf einen kirchlichen Beruf – es ist ein faszinierendes Studienfach, das dir die Möglichkeit gibt, die Welt der Bibel in ihrer ganzen Vielfalt zu entdecken. An Universitäten und Hochschulen in Deutschland, Schweiz oder Österreich kannst du im Theologiestudium tief in die Entstehung und Entwicklung von Religionen eintauchen, ihre Traditionen erforschen und ihre Rolle in der Gesellschaft kritisch hinterfragen. Dabei lernst du nicht nur, wie das Christentum die Geschichte und Kultur geprägt haben, sondern auch, welche Bedeutung sie heute für das Leben von Menschen auf der ganzen Welt haben.

Ob du dich für die wissenschaftliche Auslegung der Bibel interessierst, die gesellschaftliche Wirkung von Religionen analysieren möchtest oder einfach mehr über die Grundlagen des Glaubens erfahren willst – das Theologiestudium bietet für alle Interessierten spannende Optionen. Es eröffnet dir neue Perspektiven auf die großen Fragen des Lebens und bereitet dich darauf vor, in verschiedenen Berufsfeldern Verantwortung zu übernehmen. Studierende der Theologie profitieren von einem breiten Spektrum an Studiengängen, die an Universitäten und Hochschulen angeboten werden, und können sich gezielt auf ihre Interessen und Ziele spezialisieren.

Evangelische Theologie als Studienfach

Die evangelische Theologie nimmt im Theologiestudium eine zentrale Rolle ein und eröffnet dir zahlreiche Möglichkeiten, dich mit den Grundlagen, Traditionen und aktuellen Herausforderungen der evangelischen Kirche auseinanderzusetzen. An Universitäten und Hochschulen in Deutschland kannst du dich intensiv mit der Bibel, der Geschichte der Kirchen und den theologischen Systemen beschäftigen. Dabei lernst du nicht nur die theoretischen Grundlagen kennen, sondern auch, wie diese in der Gemeindepraxis und im gesellschaftlichen Leben angewendet werden.

Ein besonderer Schwerpunkt bei IGW liegt auf der Praktischen Theologie, die dir zeigt, wie du dein Wissen in der Gemeindearbeit, in der Seelsorge oder in der Bildungsarbeit einsetzen kannst. Die praktische Theologie ist ein lebendiges Studienfach, das dir die Möglichkeit gibt, dich aktiv an der Weiterentwicklung von Gemeinden zu beteiligen und neue Wege für die Vermittlung des Glaubens zu finden. Studierende profitieren von einem engen Austausch mit Lehrenden und anderen Studierenden und können sich in verschiedenen Projekten und Praktika engagieren. So bietet die praktische Theologie bei IGW eine breite Palette an Möglichkeiten für Leiterschaft, Gemeindebau und persönliches Wachstum.

 

Eine junge Mitarbeiterin einer Gemeinde hält ein Schild mit ‚We’re glad you’re here!‘

1. Duales Studienkonzept: Theologie studieren und arbeiten kombinieren

IGW bietet ein duales Studium Theologie an, das es dir ermöglicht, dein Studium flexibel mit einer beruflichen Tätigkeit zu kombinieren. Das bedeutet, dass du neben deinem Studium (3 Tage pro Woche) bereits in einer Kirchengemeinde angestellt oder in deinem Beruf Teilzeit arbeiten kannst. (Sowohl innerhalb einer Kirche als auch in der Welt außerhalb von Kirche)

Das hat mehrere Vorteile:

  • Du bleibst finanziell unabhängig
  • Du sammelst wertvolle Praxiserfahrung
  • Du bleibst in der Arbeitswelt vernetzt

Viele Studierende finden es motivierend, das Gelernte direkt in der Praxis anwenden zu können. Es erfordert zwar eine gute Organisation und Disziplin, aber es ist absolut machbar. “Zeltmachertum” hat im Reich Gottes eine lange Tradition. 😉

Ein duales Studium Theologie kann zudem eine solide Grundlage bieten, um später als Lehrer für Religion oder Ethik an staatlichen oder kirchlichen Schulen tätig zu werden.

Mehr über die Vorteile eines dualen Studiums erfährst du in unserem Artikel DUALES STUDIUM THEOLOGIE: WARUM DIE KOMBINATION AUS THEORIE UND PRAXIS DEINE BESTE WAHL IST.

2. Teilzeitstudium: Weniger Stunden, weniger Kosten

Wenn ein Vollzeitstudium finanziell nicht tragbar für dich ist, könnte ein Teilzeitstudium in Theologie eine gute Alternative sein. Im Teilzeitstudium benötigst du nur etwa 10-12 Stunden pro Woche für dein Studium. Dadurch halbieren sich nicht nur die Kosten, sondern du hast auch genügend Zeit, um nebenbei zu arbeiten.

Bist du Abschluss brauchst du das eine oder andere Studienjahr länger, aber dieser Weg ist für viele eine sinnvolle und realistische Option. Du kannst in deinem eigenen Tempo lernen und gleichzeitig deine finanzielle Basis sichern. Stipendien regnen nicht vom Himmel und Stiftungen nehmen nicht jeden Antrag auf Förderung an. Wichtig ist vor allem, dass du dein Ziel erreichst. Wir bieten dir gerne Beratung an, um die konkreten Fragen zu klären und dir alle infos zu geben, die du brauchst. schick uns einfach eine e mail.

Wenn du mehr über die verschiedenen Studienzeitmodelle erfahren möchtest, lies unseren Artikel Wie lange dauert ein Theologiestudium? Flexible Studiendauer bei IGW.

3. Förderung durch deine Kirche: Sei mutig und frag nach!

Ein weiterer wichtiger Schritt um den Studiengang Theologie möglich zu machen könnte sein, mit deiner Kirche über die finanzielle Seite der Ausbildung zu sprechen. Viele Kirchengemeinden sind bereit, mehr als nur ihren Gemeindebeitrag zu leisten. Du wirst vielleicht überrascht sein, wie viele Gemeinden die Möglichkeit haben, dich zu unterstützen. Sag nicht schon vorher für deine Gemeinde Nein.

Hier ist vor allem Mut gefragt:

  1. Sprich mit deinem Pastor oder deiner Pastorin
  2. Erkläre deine Situation und deine Berufung. Stelle alle infos zur Verfügung.
  3. Frage nach ob die Gemeinde bereit ist, neben dem Gemeindebeitrag noch einen Teil oder sogar die gesamten Studiengebühren für den Studiengang zu übernehmen

Neben der Übernahme von Studiengebühren bieten viele Kirchen verschiedene Förderungen an. Dazu zählen Zuschüsse, Stipendien und das sogenannte Büchergeld, das speziell für den Erwerb von Studienliteratur oder Fachbüchern gedacht ist. In bestimmten Fällen, etwa bei besonderem Bedarf oder individuellen Förderfällen, kann deine Gemeinde auch zusätzliche finanzielle Unterstützung gewähren, um die Studienbedingungen zu verbessern oder weitere Kosten zu decken.

Es könnte ein entscheidender Schritt in deine Berufung sein. Viele Gemeinden investieren gerne in zukünftige Leiter und Leiterinnen, besonders wenn sie sehen, dass du bereits engagiert bist und eine klare Berufung hast. Theologie ist mehr als ein Fach oder eine Wissenschaft. Es ist eine Berufung.

4. Spenderkreis aufbauen: Lerne, andere zu fragen

Eine weitere Möglichkeit, die oft unterschätzt wird, ist das Aufbauen eines Spenderkreises. Dies bedeutet, dass du Personen in deinem Umfeld darum bittest, dich finanziell zu unterstützen. Am Anfang mag das wie eine große Hürde erscheinen für dein Studienfach zu fragen, aber es ist eine wichtige Fähigkeit, die du als zukünftiger Pastor oder Pastorin benötigst: Andere für etwas zu gewinnen.

So kannst du vorgehen:

  • Beginne in deinem direkten Umfeld – Familie, Freunde, Gemeindemitglieder zu erzählen warum du Theologie studieren möchtest. Erzähle deine Geschichte!
  • Erkläre deine Berufung und deinen finanziellen Bedarf
  • Frage nach einem regelmäßige Beitrag. Auch kleine Summen helfen!

Viele werden gerne einen Beitrag leisten, um deine Ausbildung zu ermöglichen. Solltest du auch Menschen in deiner Gemeinde anfragen, sprich unbedingt vorher mit deinem Pastor darüber, damit er dein Herz dahinter versteht und du nicht nachher in Erklärungsnot gerätst.

Menschen legen betend die Hände auf eine Frau – Symbol für geistliche und finanzielle Unterstützung aus der Gemeinde

 

5. BAföG-Berechtigung: Staatliche Förderung nutzen (DE)

Unser Studiengang auf Bachelor Level ist in NRW BAföG-berechtigt! Das bedeutet, dass du staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen kannst. Das Bundesausbildungsrderungsgesetz ist eine großartige Möglichkeit, dein Theologiestudium zu finanzieren, ohne dass du dir sofort Sorgen um die Rückzahlung machen musst. Auch das Auslands-BAföG ist möglich, wenn du als Deutscher in der Schweiz studierst. Das gilt auch dann, wenn du noch in Deutschland wohnst.

Der Antrag mag auf den ersten Blick kompliziert erscheinen, aber es lohnt sich, diesen Schritt zu gehen. Mit dieser staatlichen Förderung erhältst du eine monatliche Unterstützung, die dir hilft, deine Lebenshaltungskosten und Studiengebühren zu decken.

Wichtige Informationen zur Höhe und Dauer der Förderung findest du Online.

Die Details kannst du in der persönlichen Beratung mit uns klären oder dich direkt beim zuständigen BAföG-Amt informieren.

6. Ernsthaft beten: Vertrauen in Gottes Versorgung

Last but not least: Fang ernsthaft an zu beten. Wenn Gott dich berufen hat, Theologie zu studieren, dann wird er dir auch die Mittel und Wege öffnen, dieses Ziel zu erreichen. Oftmals führt uns Gebet zu unerwarteten Lösungen und bringt uns in Kontakt mit Menschen, die uns unterstützen können.

Vertraue darauf, dass Gott einen Plan hat und dass er dir die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen wird. Manchmal bedeutet das, dass Türen geöffnet werden, von denen du nicht einmal wusstest, dass sie existieren. Stell einen mutigen Antrag bei Gott! Glauben heißt nicht einer Religion zu folgen sondern einer Person. Jesus hat Wege. Der Weg in die Theologie braucht oftmals etwas Glauben. Das lernst du nicht im Hörsaal einer Uni oder durch die Auslegung komplizierter Ansätze der Religionswissenschaft sondern schlichtweg durchs Umsetzen im Leben. Glauben lernt man durch Glaubensschritte.

Berufsperspektiven nach dem Theologiestudium

Mit einem abgeschlossenen Theologiestudium stehen dir viele Türen offen – und das nicht nur in der Kirche oder in Christlichen Werken. Absolventinnen und Absolventen des Theologiestudiums sind aufgrund ihrer fundierten Ausbildung und ihrer vielseitigen Kompetenzen in zahlreichen Berufsfeldern gefragt. Neben klassischen Tätigkeiten in der Gemeinde, wie der Arbeit als Pastor/in, kannst du auch in Bereichen wie der Sozialen Arbeit, der Erwachsenenbildung, der Kulturarbeit oder in den Medien eine Führungsposition finden.

Die im Theologiestudium erworbenen Fähigkeiten – etwa die Analyse komplexer Texte, die Vermittlung von Inhalten, die Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und die Entwicklung von Lösungsstrategien – sind in vielen Berufen von großem Wert. Das Theologiestudium ist somit eine hervorragende Grundlage für eine vielseitige und erfüllenden Berufsweg, die weit über die Grenzen der Kirche hinausreicht.

Fazit: Dein Weg zum Theologie Studium ist möglich

Du siehst, es gibt viele Wege, wie du dein Theologiestudium finanzieren kannst, auch wenn es auf den ersten Blick unmöglich scheint. Egal welchen Weg du wählst, wichtig ist, dass du dranbleibst und an deine Berufung glaubst. Dein Traum, Theologie zu studieren und in den pastoralen Dienst zu gehen, muss nicht an finanziellen Hürden scheitern.

Sprich mit uns, und wir helfen dir, die für dich beste Lösung zu finden. Gemeinsam können wir Wege finden, wie du deine Berufung leben kannst, ohne dabei in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Du bist berufen, und wir sind hier, um dich auf deinem Weg zu unterstützen!

Wenn du mehr über unser Studienfach erfahren möchtest oder dich für den Unterschied zu einer Hochschule interessierst, empfehlen wir dir unseren Artikel 10 ÜBERZEUGENDE GRÜNDE, WARUM DU BEI IGW THEOLOGIE STUDIEREN SOLLTEST. Weitere Medien findest du auf unserem Blog: https://igw.edu/

Kontaktiere uns jetzt für ein kostenloses Beratungsgespräch und lass uns gemeinsam deinen Weg zum Theologiestudium planen!


Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe über theologische Ausbildungsmöglichkeiten. Entdecke auch unsere weiteren Artikel zu den Themen Theologie studieren: Hochschule oder Bibelschule? und Wie lange dauert ein Theologiestudium?.

 

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